Ötztaler 2008

Premiere beim Ötztaler Radmarathon
Bericht von Andreas Burkhardt

Es ist 6:00 Uhr und ich stehe auf der Hauptstraße in Sölden. Über den Bergen erahnt man das erste Tageslicht und um mich herum tausende Fahrradfahrer. Dann um 6:45 Uhr ein lauter Knall, ein Helikopter erhebt sich in den nun schon hellen Himmel und das Feld von 4800 Fahrern setzt sich in Bewegung. Kaum haben wir die ersten Kilometer Richtung Ötz zurückgelegt, liegen auch schon die ersten Unvorsichtigen auf der Straße. In leichter Hektik rolle ich bis nach Ötz, um dann in die Rampe nach Kühtai einzufahren. Jetzt legt sich meine anfängliche Nervosität, da die Mitstreiter nicht schneller die Serpentinen hinauf stürmten als ich. Nun ist der Pulsmesser mein wichtigster Freund. Ich bin erstaunt wie viele Zuschauer an den Seiten der Strecke stehen und jeden einzelnen anfeuern. Als ich dann den Ochsengarten passiere, scheint endlich die Sonne über die Berggipfel und ich erreiche Kühtai. Hier befindet sich die erste Labestation.


Nun geht es in atemberaubender Fahrt ins Tal, Richtung Innsbruck. Viele rasen an mir vorbei – bin halt ein wenig ängstlich. Es dauert nicht lange, da werden einige Mitstreiter von den Sanitätern aus den angrenzenden Wiesen geborgen – bedacht fahren ist doch besser! Bei sonntagmorgendlichem Kirchgeläut durchquere ich in einem großen Pulk Innsbruck und nehme Kurs Richtung Brenner. Anfänglich heftete ich mich an eine Gruppe von ca. 20 Radlern, die mir aber bei einem steigenden Puls bis 150 zu schnell werden und lasse die Gruppe ziehen. Glücklicherweise herrscht kein Gegenwind und so kann ich entspannt mein Tempo fahren. Einige der Radsportfreunde hatten mir berichtet, dass der Brenner flach sei – na ja – die Auffahrt nach Gries ist nicht ohne! Nun kommt für mich der unwirkliche Teil des Marathons – die Rast an der zweiten Verpflegungsstelle auf dem Brenner. Bis zum heutigen Tag war ich nur auf dem Brenner, wenn ich mit dem Auto in Urlaub gefahren bin und nun stand ich mit meinem Fahrrad hier oben – weit weg von zu Hause!


Nach zwei Bechern Suppe (Geheimtipp: trink ja Suppe!!!) und einem Käsebrot machte ich mich auf die Weiterfahrt hinab nach Sterzing und dann Richtung Jaufenpass. Auf dieser ebenen Passage ist mein Puls das erste Mal um die 135 – ansonsten eher zwischen 142 und 150. Und nun der Jaufenpass, Steigung ohne Ende, aber für mich der schönste Pass der Rundfahrt. Nach dem verlassen des Waldes schlängelt sich die Straße durch hochalpines Gelände, um am Gipfel durch einen kleinen Grad zu führen. Hier auf dem Gipfel befindet sich die dritte Labestation mit einer wundervollen Aussicht! - Wieder Suppe und viel trinken – Jetzt ging es in halsbrecherischer Abfahrt nach St. Leonhard und direkt wieder in den letzten Anstieg – das Timmelsjoch – 29km (Aussage eines Mitfahrers beim Start: Wenn du mal den Jaufenpass geschafft hast bist du praktisch schon am Ziel ????? – seltsame Ansicht).


Nach ca. 15km durch bewaldetes Gebiet erreiche ich die letzte Labestation bei Schönau. Auf diesem Streckenabschnitt spielen sich Dramen ab. Viele schieben ihr Rad, andere sitzen am Straßenrand und halten sich die verkrampften Beine, wieder andere erbrechen. An der Labestation nehme ich die obligatorischen zwei Suppen zu mir und weiter geht’s. Nach einem Flachstück – ich denke bald musst du oben sein – fahre ich um eine Kehre und dann sehe ich endlosen Serpentinen in einer gigantischen Bergwand. Meine Pulsuhr und meine Beine sagten – alles ok – und so fahre ich, an schnaubenden Radlern vorbei, diesen Huppel hinauf. Bis zu diesem Zeitpunk hatten alle Teilnehmer ideales Wetter – bis jetzt!! Denn auf dem Dach der Rundfahrt angekommen, empfängt ein Wettersturz mit Gewitter und viel Regen uns Gipfelstürmer. Na ja – die letzten Meter nach Sölden rolle ich vorsichtig mit angezogenen Bremsen Richtung Ziel. Hier warten viele Zuschauer, Angehörige und meine Frau Conni auf mich. Verkühlt aber überglücklich hatte ich meinen Traum nach einer Fahrzeit von 11:00.18 Stunden erreicht!!!!!!


Fotos: Sportograf.de     

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