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Jens Thomasser finished Ironman 70.3 in Wiesbaden
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Mission Ironman oder vom Fetti zum Ironman
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Bericht von Jens Thomasser
Der Startschuss zu einem radikalen Lebenswandel - noch vor 3 Jahren wog ich 98 kg bei einer Gesamtgröße von 170 cm, der medizinische Ausdruck ist dafür Adipositas. Ein Freund, der Triathlet ist, überredete mich damals ins Fitnessstudio mit ihm zu gehen und an Spinningkursen teilzunehmen. Das war der Startschuss zu einem radikalen Lebenswandel. Letztes Jahr hatte dieser Freund dann die glorreiche Idee 2011 den Ironman in Frankfurt zu bestreiten, da sagte ich in meinem jungendlichen Leichtsinn dirket zu, ohne zu wissen, was auf mich zukommt, damals wog ich nur noch 80 kg. Erfreut, dass ich nun durch das Training bestimmt nochmehr Kilos purzeln lassen konnte, entschloss ich mich, proffessinelle Hilfe zu holen. Ich suchte mir ein Coach, der mir Trainingspläne erarbeitete und einen Lauftrainer, der mir das Laufen auf die lange Distanz beibrachte. Schwimmen und Radfahren konnte ich schon, dachte ich :) So im November 2009 überlegt ich mir, weil Sommer 2011 ja noch lange hin ist, das ich mir als Zwischenetappe den Ironman 70.3 vornehmen sollte, gesagt getan, meldete ich mich für den Wiesbadener an, er lag ja auch direkt vor der Tür. Im Mai 2010 trat ich dann in den RC-Hattersheim ein, um bei RTF`S die nötigen Kilometer reinzufahren, was ich absolut nicht bereue, ein toller Verein mit prima Vereinskollegen. Mein Trainingpensum belief sich im Mai schon auf 16 Stunden die Woche. Im Juni als Premiere und Test-Triathlon bezwang ich den "Rieslingman" in Rüdesheim, ein Triathlon in der Olympischen Distanz. Ich war überrascht, was ich nach Schwimmen und Radfahren (hoch nach Presberg) für eine super Zeit in dem anschließenden 10 km Lauf hatte, 45min, keine 3 Monate vorher hatte ich noch 58min gebraucht, leider mußte ich dann in einem Blog lesen, das die Organisatoren es nicht so genau nahmen mit der Streckenmessung, es waren wohl nur 9,3 km gewesen, aber egal, der erste Triathlon war ein voller Erfolg. Die letzten Wochen vor dem 70.3 flogen nur so dahin, und plötzlich holte ich Freitags meine Startunterlagen ab. Samstag war dann die Raceinfo und der Check in, das Wetter hielt sich...noch! Es war alles perfekt organisiert, da merkte man, das da Profis am Werk sind, die jahrelange Erfahrungen mit solchen Events haben.
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Der Wettkampftag - Morgens um 6.15Uhr klingelte mein Wecker, es war bewölkt, den ersten Schauer um 6.00Uhr bekam ich Gott sei dank nicht mit, sonst wäre ich sicherlich im Bett geblieben. 8.55Uhr war Schwimmstart für meine Altersklasse, also frühstückte ich das Siegerfrühstück, natürlich Toast mit Nutella, damit ich nicht ins 11 Uhr Loch falle. Mit dem Auto zum Park and Ride Parkplatz und dann mit dem Bus zum Schiersteiner Hafen. An der 1. Wechselzone war es schon voll, alle wuselten herum und checkten ihre Fahrräder oder zogen sich ihre Neoprenanzüge an. Es nieselte ab und zu etwas. Leider war ich allein auf weiter Flur, mein Triathlon Überredungs Freund machte nicht mit und mein Fahrrad Trainingspartner fuhr Staffel. Unter den ganzen "Vollprofis" kam ich mir dann doch etwas verloren vor. Egal, ich zog meinen Neo an und wanderte langsam in den Startbereich. Zu der Zeit verließen die ersten Profis und Elite Alterklassenathleten das Wasser, die zogen sich garnicht erst um, fuhren also dirket mit den nassen Trisuits los, aber eigentlich auch egal, denn nass ist nass. Ich nahm mir für den 1. Wechsel jedoch etwas anderes vor. 8.55 Uhr, es ging los. Ein Schwimmstart im Wasser mit 250 anderen Athleten. Nach anfänglichen Schlägen und Tritten, kam ich in meinen Rhythmus, Gott sei dank hatte ich vor mir und neben mir einen Schwimmer, so das ich mich nicht dauernd nach vorne orientieren mußte. Schwimmen dauert, dauert und dauert, gefühlte 2 Stunden war ich im Wasser, in der Endabrechnung waren es aber nur 37min. In der Suppe vom Schiersteiner Hafen viel zu lang, den Durchfall und die Übelkeit zwei Tage nach dem Wettkampf, läßt auf die Wasserqualität schließen.
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Das Wechselchaos - beim Ausstieg waren viele helfende Hände die einem tief in die Augen guckten, ob auch alles ok ist. Nun rannte ich noch etwas benommen zu den Wechselbeuteln, suchte mein Beutel und lief in das Umkleidezelt. Und da kam dann meine etwas andere Strategie in Sachen Triathlonklamotten zum Zuge. Ich leerte den Beutel, nachdem ich mich aus dem Neo geschält hatte, und fing an mich anzuziehen, Funktionunterhemd, Trikot, Radhose, Strümpfe, Schuhe, Überschuhe, Weste und Handschuhe (vom RC-Hattersheim..iupi), Brille auf und los. Dummerweise beschlug die Brille direkt, aus diesem Grunde lief ich natürlich erstmal in die falsche Radreihe, suchte erfolglos mein Fahrrad, lief zurück und schaute nach den Startnummern die am Anfang jeder Reihe standen. Na super, fängt ja gut an, dachte ich mir, eine Transitionzeit von stolzen 7 Minuten, wurde von nur wenigen überboten. Endlich am Fahrrad, fing es an zu regnen, ganz toll. Ich hatte mir mit meinem Coach eine gewissenhafte Renntaktik erarbeitet, die ich auch einhielt. Die ersten Kilometer fuhr ich locker, verspeiste einen Riegel bevor es dann zum Aufstieg nach Hausen vor der Höhe ging. Vorher überholten mich natürlich Tausende auf dem großen Blatt und dem kleinsten Ritzel, viele von denen sah ich dann beim Anstieg wieder. Einer namens Alan blieb mir im Gedächtnis. Auf der Geraden hatte er mich voll Speed überholt, nun hing er am Hang mit 8km/h und pfeifte aus dem letzten Loch. Ich kurbelte im 10er Schnitt nach oben. Dann ging es nach Nieder- und Ober-Gladbach in einer rasanten Abfahrt, bei Regen. Dann die Wisper hoch und wieder einen "kleinen" Berg nach Springen. Erst bei Laufenselden sah meine Taktik vor Gas zu geben. Ohne Sturz klappte alles perfekt, wie vereinbart. Doch der Regen wurde immer stärker, zwischen Kemel und Huppert kam es mir vor als wäre ich beim Ötztaler gelandet, unter 100 m Sichtweite und es regnete Bindfäden. Da freute ich mich über jedes Fetzchen Stoff auf meinem Körper, die Überschuhe hielten immerhin bis Kilometer 50 dicht. Im Daisbachtal glich die Straße einem Bach und ich wundere mich bis heute, das ich das alles so glimpflich überstanden habe. Ab diesem Teilstück zahlte sich meine Zurückhaltung am Anfang und vorallem vor Hausen v.d.H. aus, ich konnte an den Flachstrecken richtig Gas geben und lag auf der Überholspur. Den "Hammer" bei Oberlippbach wurde man förmlich hochgeprüllt von den zahlreichen Zuschauern, Wahnsinn, trotz Regen hielten die Leute durch. Nach ein paar "Laktatwellen" auf der B417 ging es nach Wiesbaden. Bei 60 km/h war bei mir aber Schluß, mehr wollte ich nicht riskieren.
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Nach dem vierten Armbändchen auf die Zielgerade - in der Wechselzone angekommen, empfing alle Athleten eine wild brüllende Zuschauermasse, mitten drin meine Familie, endlich bekannte und geliebte Gesichter. Der Wechsel vollzog sich diesmal etwas schneller - 2 min. Die Laufstrecke ging über die Tausnusstraße, Wilhelmstraße in den Kurpark. Dort war der Boden so aufgeweicht, das es teilweise zu einer Schlammschlacht ausartete. Nett waren die Läufer mit ihren Kompressionsstrümpfen, Erdfarben war eine beliebte Variante, so garnicht erhältlich im Laden :)
Anfänglich hatte ich starke Bauchschmerzen, die erst nach dem Verzehr einer Banane verschwanden. Nach der ersten Runde überkamen mich kurzzeitig Ängste ob ich das noch drei weitere Runden überstehe, aber es lief alles wie geschmiert, jede Runde sah ich meine Familie, die mir zujubelte. Und jede Runde bekam ich das oft beschriebene "Runners High", bei mir drückte sich das in einem emotionalen Ausbruch aus, bei dem ich mich stark zusammenreißen musste, um nicht anzufangen zu heulen, sehr eigenartig. Ich hatte es endlich geschafft, nach dem vierten Armbändchen durfte ich auf die Zielgerade und schloss meinen ersten Ironman 70.3 in 6:02.02 Stunden ab - 37 min Schwimmen, 3:22 h Radfahren und 1:51 h Laufen. Mein Trainingspensum hatte sich ausgezahlt, ich konnte danach laufen, sprechen und Witze machen, was will man mehr, und die Zeit fand mein Coach auch sehr gut fürs erste Mal. So...nächstes Jahr dann die Langdistanz :))
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