Eine neue radsportliche Herausforderung in den Vogesen
Bericht von Rudi Jäger / Günter Emrich
Alle zwei Jahre findet in Thann, dem südlichsten Punkt der elsässischen Weinstraße, die „La Vosgienne“ statt. Dieses Jedermannrennen wird vom Radsportverein Amicale Cycliste Thann seit 1987 veranstaltet und zählt zur Rennserie Tropé de l‘Est. Unter den insgesamt 1202 Teilnehmern starteten am 7. September 2008 auch die RCH-Fahrer Rudi Jäger und Günter Emrich zu einer neuen radsportlichen Herausforderung.
Als Rudi um 9.00 Uhr die 100 km der Mini-Vosgienne bei Sonnenschein und angenehmen 15°C in Angriff nahm, kurbelte Günter bereits eine halbe Stunde auf der sehr anspruchsvollen 160 km - Langstrecke. Er musste gleich hinter Thann am steilen Col du Hundsruck (max.-Steigung 13%) den richtigen Rythmus finden und befand sich bereits auf der Abfahrt Richtung Masevaux. Für Rudi indes galt es auf den ersten 20 km durch das leicht ansteigende malerische Thurtal nicht zu überdrehen, um mit dem richtigen Schwung in den 15 km langen Anstieg zur Route des Crétes und der Verpflegungsstelle Markstein zu fahren.
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Bevor Günter Markstein erreichte, musste er noch kräftig in die Pedale treten um den Ballon d‘ Alsace (1.178m), den Col du Page (hier ganz in der Nähe entspringt in 715m Höhe die Mosel), den Col d‘ Oderen (875m), den sehr kurvenreichen Col de Bramont (956m), den Col du Herrenberg (1.186m), sowie den Col d‘ Hahnenbrunnen (1180m) zu bezwingen. Die beiden letztgenannten Anstiege auf der Route des Cretes sind das Dach der Vosgienne und von hier aus boten sich phantastische Ausblicke sowohl auf den nahegelegenen Grand Ballon, mit 1.424 m die höchste Erhebung der Vogesen, als auch in die tiefen Täler.
Die restlichen 60 km fuhren beide Radsportfreunde auf der gleichen Strecke. Als jedoch Günter die Verpflegung in Markstein erreichte, war Rudi nach 4:12:14 h gerade durch‘s Ziel gefahren. Sein Tacho zeigte 98 km und 1650 Höhenmeter. Mit einem Schnitt von knapp 24 km/h erreichte er in der AK F (50-60 Jahre) Platz 79 von 104 Teilnehmern.
Während Rudi sich nach Isogetränken und Energieriegeln jetzt einen Muskatwein und eine Quiche Lorraine gönnte und sich anschließend noch durch eine Beinmassage verwöhnen ließ, durfte Günter noch einige Kilometer kurbeln und verließ gerade die Route des Cretes. Von der 1176 m hoch gelegenen und sehr windigen Verpflegungsstelle ging es in die 30 km lange rasende Abfahrt nach Guebwiller, vorbei am Lac de la Lauch, durch Lautenbach und Buhl. Ab Soultz zweigte die Strecke zum letzten Anstieg in Richtung Grand Ballon ab, 9,3 km mit einer Durchschnittssteigung von 5,1%. Diese Route Forestiére ist in der unteren Hälfte jedoch in äußerst schlechtem Zustand und man wurde durchgeschüttelt wie auf einer Kopfsteinpflaster-Passage (die Teilnehmer der Etappenfahrt 2007 können sich noch an diesen Off-Road-Streckenabschnitt erinnern). Als wir beim Erreichen des Col Amic (825 m) von vielen Zuschauern beklatscht wurden, dachten wir, wir hätten es geschafft. Aber nein, man hatte uns zwar den weiteren Aufstieg zum rechts im strahlenden Sonnenschein liegenden Grand Ballon erspart, aber auf uns warteten am Col du Silberloch noch einmal zweistellige Steigungsprozente. In kurvenreicher, rasanter Abfahrt ging es vom Col de Herrenfluh hinab nach Cernay. Die letzten 6 km bis zum Ziel in Thann waren so gut wie flach, jedoch wurde uns nichts geschenkt und wir mußten wegen des kräftigen Gegenwindes die letzten Körner mobiliseren. Dann endlich, der letzte Adrenalinschub bei der Einfahrt in die Zielgasse am Place du Bungert mit den applaudierenden Zuschauern unter ihnen auch Rudi und Doris. Nach 6:44:56 h waren die 3450 Höhenmeter der Langstrecke geschafft. Günter plazierte sich auf Rang 43 von 115 Teilnehmern der AK F mit einem Schnitt von 23,7 km/h.
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Die Teilnahme an der Vosgienne war für die beiden Radsportfreunde bei gutem Radwetter ein absoluter Höhepunkt der Saison 2008. Die Strecke war landschaftlich sehr schön bei sehr wenig Autoverkehr und hat besonders auf der 160 km-Runde durchaus alpinen Charakter. Die Organisation sucht Ihresgleichen: wir hatten den Eindruck, dass alle gehfähigen Menschen dieser Region im Einsatz waren: jeder Kreisverkehr (und davon gibt’s in Frankreich jede Menge), jede Straßeneinmündung und Straßenkreuzung war durch Helfer gesichert und ermöglichte den Teilnehmern freie Fahrt – fantastisch! Ein bisschen fühlte man sich auch an die Tour de France erinnert, denn die Berge der Vogesen waren schon einige Mal Schauplatz der Tour de France. So auch die legendäre 18. Etappe im Jahr 1997 von Colmar nach Montbéliard über Grand Ballon, Col du Hundsruck und Ballon d‘ Alsace. Am Hundsruck hatte Jan Ullrich, geplagt von einer Erkältung, einen Einbruch und konnte dem Tempo seiner schärfsten Konkurrenten um Gelb nicht mehr folgen. Sein Helfer Udo Bölts machte für ihn das Tempo und versuchte ihn mit dem berühmt gewordenen Ausspruch „Quäl dich, du Sau“ anzuspornen; und es gelang ihnen am Ballon d‘ Alsace den Anschluss zur Spitze wieder herzustellen. Jan Ullrich konnte sein gelbes Trikot bei dieser schweren Vogesenetappe verteidigen und gewann 1997 als erster Deutscher die Tour de France vor Richard Virenque und Marco Pantani.
Strecke und Höhenprofil
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| Quelle: Ausscheibung La Vosgienne 2008 |
Die wichtigsten Anstiege
| Länge | Höhendifferenz |
Durchschnitts- steigung |
Max.-Steigung | |
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Col du Hundsruck (748 m) |
5 km | 360 m | 6,8 % | 13 % |
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Ballon d' Alsace (1178 m) |
11,5 km | 680 m | 5,8 % | 10 % |
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Col du Page (953 m) |
6 km | 350 m | 5,9 % | 11 % |
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Col du Bramont (956 m) |
7,5 km | 380 m | 5,1 % | 8 % |
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Route des Cretes, Col du Herrenberg (1186 m) |
5,5 km | 340 m | 6,5 % | 11 % |
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Col Amic (825 m) |
9,5 km | 470 m | 5,1 % | 8 % |







