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Sonntag, 30.08.2009 - 29. Ötztaler Radmarathon in Sölden
Bericht von Stefan Bock

Um 4:30 klingelte mein Handy
Jetzt ist es so weit, jetzt gibt es kein zurück mehr, dachte ich mir. Also dann, ab in die Radklamotten, Beinlinge, Armlinge, Mütze und Jacke anziehen und auf geht es um kurz vor 5 Uhr zum Frühstück. Um dort hin zu gelangen musste ich die Strasse überqueren um in das Hauptgebäude meines Hotels zu gelangen. Dort spürte ich erstmals wie frisch es um diese Uhrzeit in Sölden ist. Ich konnte mir kaum vorstellen in etwa einer Stunde in kurzer Hose am Start zu stehen. Nach dem Frühstück, raus aus den „überflüssigen“ Klamotten (die ich gerne angelassen hätte), ein letzter Check des Rads und auf zur Startaufstellung. Kaum aus dem Hotel raus hörte man schon den Hubschrauber seine Runden über Sölden drehen. Dort kam in mir erstmals das Rennfieber auf und ich konnte es kaum erwarten zu Starten. Das lag aber auch an den gefühlten –10 Grad dort im Tal.

Foto: oetztaler-radmarathon.com

Startschuss in einen harten Tag
Um 6:45 wurde der Ötztaler Radmarathon gestartet. Es vergehen fast noch 15 Minuten bis ich endlich die Startlinie überfahre und mein härtester Tag auf dem Rad beginnt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht was alles auf mich zukommen würde. Die ersten 30 Km ging es erstmal bergab und man rollte zwar echt zügig, aber auch recht entspannt zur ersten großen Herausforderung des noch jungen Tages. Der Anstieg zum Kühtai! Ich freute mich drauf in der Hoffnung, dass es dann endlich wärmer werden würde, denn bei der Abfahrt nach dem Start war es unglaublich kalt. Gänsehaut, eiskalte Finger und zitternde Glieder waren der Lohn des frühen Aufstehens. Das Kühtai fuhr sich recht unproblematisch und im steilsten Abschnitt des Tages mit 18% Steigung konnte ich heute niemand „kaputt“ fahren, den es war schieben angesagt. Eine Baustelle mit schlechter Straße hat das weiterfahren verhindert. Die restlichen Kilometer bis um Gipfel fuhr ich gemütlich mit einer Gruppe hoch. An der ersten Labestation hielt ich mich nicht lange auf, machte meine Weste zu und stürzte mich gleich in die rasende Abfahrt. Sie war eigentlich ganz gut zu fahren, nur war es auch wieder so verdammt kalt!

Foto: sportograf

Nach 88 gefahrenen Kilometern
führte die Strecke uns dann 39 km leicht ansteigend zum Brenner. In der Gruppe fahrend war es kein Problem die meiste Zeit auf dem „Großem Blatt“ zu kurbeln. Der Brennerpass war mit Abstand der leichteste aller Anstiege an diesem Tag. Dort fühlte ich mich noch sehr gut, ich ließ meine Flaschen mit RedBull/Wasser volllaufen, aß noch schnell einen Energieriegel und bereitete mich schon mal moralisch auf den Jaufenpass vor. Auf der Anfahrt zum Pass dachte ich mir, es kann eigentlich nix passieren. Ich hatte gut gegessen, immer wieder getrunken, aber damit lag ich leider falsch. Mein Kreislauf wollte nicht ganz so wie der Rest des Körpers. Kurz vor dem 15,5 km langen Anstieg ging es mir immer schlechter, aber das war erst der Anfang der Leiden. Mittlerweile ist es auch richtig warm geworden. Mitte des Anstiegs riss ich mein Trikot komplett auf und kämpfte mich irgendwie nach oben. Es gab Phasen da ging es mir besser dann wieder schlechter. Doch als das Kameramotorrad neben mir fuhr und voll auf mich hielt, habe ich meine Schmerzen vergessen und bin einfach nur weiter gefahren. Es wurde immer wärmer und ich hatte wohl einen „Hungerhast“ bekommen. Mein Tritt war nicht mehr der Flüssigste, aber ich kam auch irgendwie auf dem Jaufen an. Erst mal ne Dose RedBull, das sollte mir doch helfen. Aber spätestens nach der recht schnellen und gefährlichen Abfahrt war mir klar, dass mir das RedBull keine Flügel verleihte. Trotz häufigem Trinken und Essen schaffte ich es nicht meine Leistungsfähigkeit wieder zu stabilisieren.

Foto: oetztaler-radmarathon.com

Wie soll ich das nur schaffen???
Zu allen Überfluss erwartete mich nun der „Königsberg“ das Timmelsjoch! Auf 28,7 km 1.759 Höhenmeter bergauf. Wie sollte ich das nur schaffen, fragte ich mich und traute mich nicht nach oben zu schauen. Die Sonne knallte mittlerweile heftig auf die Fahrer nieder und kein Ende des Anstiegs in Sicht. Nach den ersten Kehren bekam ich erste Anzeichen von Krämpfen, konnte sie aber immer wieder verhindern. Aber das große Leiden begann erst. Mir ging es immer schlechter, Übelkeit begleitete mich nun schon den ganzen Anstieg, so dass ich an der vorletzten Labestation in Schönau nur noch meine Flaschen auffüllen ließ und langsam meinen immer schwächer werdenden Tritt fortsetzte. Dort wurde mir dann auch mein zweiter Fehler bewusst, ich hatte die falsche Übersetzung gewählt. Ein Ritzel mit 11-25 war eindeutig zu wenig. Ich hatte kaum noch Kraft die Kurbel zu bewegen, aber ich machte trotzdem einfach weiter. Gleichmäßiges Tempo war jetzt angesagt. Ich gebe auf keinen Fall auf! Und wenn es das Letzte ist was ich mache! Immer wieder hörte man den Hubschrauber über den Fahrern kreisen, dass hatte schon etwas von Tour de France - Feeling, aber das machte es auch nicht mehr besser. 15 Km waren es noch bis zum Gipfel. Also nochmal der komplette Jaufenpass. Das darf doch alles nicht wahr sein, dachte ich und gelobte: „das tust du dir nie mehr an“. Bei der letzten Labestation der Tour machte ich wieder Halt. Erneut die Flaschen für den finalen Anstieg füllen und weiter ging’s. Direkt nach der nächsten Kehre sah ich wie sich jemand übergeben musste. Das konnte ich Gott sei Dank verhindern, auch wenn es manchmal knapp war. So kämpfte ich mich auch die letzten endlos wirkenden Kilometer den Pass hinauf und war heil froh als dieses verdammte Schild mit der Aufschrift „Timmelsjoch 2.509m“ zu lesen war.

Foto: sportograf

Ich habe es fast geschafft
dachte ich und zog die Weste wieder an für die rasante Abfahrt. Auf meinem Tacho zeigten sich 90 km/h - geil. Jetzt bloß nicht nachdenken und einfach rollen lassen. Der Schwung reichte aber leider nicht für die Gegensteigung an der Mautstation die sich noch zwischen mir und dem Ziel befand. Dort meldeten sich wieder meine Beinmuskulatur kurz vor einem Krampf. Endlich war auch dieser eine letzte „Hügel“ überwunden und ich rollte nur noch bergab ins soooo lange ersehnte Ziel in Sölden. Den letzten Kilometer holte ich noch mal alles aus meinem erschöpften Körper heraus und sprintete vor begeistertem Publikum ins Ziel meiner Träume. Zu mindestes Stand dies so auf dem Banner über der Zieldurchfahrt. Ich hatte es tatsächlich geschafft und konnte es gar nicht glauben. Aber so richtig freuen konnte ich mich auch nicht. Ich war viel zu müde und wolltr einfach nur unter die Dusche und ins Bett.

Mit etwas Abstand kam dann so langsam doch die Freude über das Geleistete und die Gewissheit eines der härtesten Rennen dieser Art gemeistert zu haben. Und 10:32.15,6 h Fahrzeit waren für meine erste Teilnahme und unter diesen Umständen eigentlich gar nicht so schlecht - immerhin war ich noch der Schnellste der RCH-Fahrer.

Ergebnisse der RCH-Fahrer


  Endzeit  Schnitt
km/h  
Platzierung
Altersklasse 
Anstieg
Kühtai  
Anstieg
Brenner  
Anstieg
Jaufen 
Anstieg
Timmelsjoch 
Bock, Stefan  10:32.15,6  22,58  AK / 567   1:26.54  1:22.04  1:19.55  2:51.21 
Burkhardt, Andreas  10:38.18,8  22,37  M2 / 205  1:23.52  1:27.10  1:25.57  2:41.50 
Wehner, Siegbert Leo  11:21.02,6  20,97  M2 / 324  1:37.31  1:31.58  1:32.33  2:58.00 
Drnec, Peter   11:36.37,5  20,50  M1 / 1711  1:35.37  1:31.55  1:29.13  2:56.11 
Ruffert, Michael  12:03.49,9  19,73  M1 / 1882  1:42.19  1:31.47  1:42.02  2:59.14 
Argast, Gerd  08:27.06,0  --  M2 / --  1:46.05  1:41.52  1:56.24  --