Der Alpenmarathon im Vorarlberg
Bericht von Siegbert Leo Wehner - die erste Alpenmarathon-Erfahrung
Voller Erwartung - In den letzten Jahren waren die RCH-Marathoni´s immer beim Ötztaler-Radmarathon angetreten. Dieses Jahr wurden die Startplätze dort erstmals verlost, deshalb wurde der Highlander im Vorarlberg – der zweiten Heimat unseres Vereinsvorsitzenden Klaus Stangl- als Alternative ausgewählt. Insgesamt 9 Vereinsmitglieder wollten sich der Herausforderung 219 km mit 4620 Hm bzw. Tour B 129 km mit 2650 Hm stellen. So trafen in Dornbirn von Donnerstag bis Samstag nach und nach Günter Emrich, Thomas Kern, Kurt Morgenstern, Axel Niemann, Dieter Richter, Klaus Stangl und Siegbert Wehner ein. Manuela Higgen und Peter Drenic kamen direkt aus dem Ötztal, wo sie ein kleines Trainingslager eingelegt hatten und u.a. das Timmelsjoch hochgefahren waren.
Auf Sonne folgte Regen - Am Samstag holten wir bei strahlenden Sonnenschein unsere Startunterlagen in Hohenems ab. Nach der obligatorischen Nudelparty im Festzelt, sahen wir uns noch das Stadtkriterium an. Doch die Gedanken waren schon beim Highlander: Wird das Wetter wirklich so schlecht, wie die Wettervorhersage prognostiziert? Was ziehen wir an? Langes Trikot, Wintertrikot, Regenjacke, Beinlinge??? Wenn die Wettervorhersage stimmt, was machen wir dann? Tour B, Abkürzen im Tal, erst garnicht antreten ??? In der Nacht zum Sonntag wußten wir dann, der Wetterbericht lag richtig, es regnete und dies zum Teil sehr heftig. Morgens um 6:00 Uhr am Frühstückstisch war die Stimmung entsprechend gedrückt. Manu entschied, „Bei diesem Regen fahre ich keinen Alpenmarathon“ ! Alle anderen fuhren um 6:30 Uhr mehr oder weniger optimistisch zum Startort in Hohenems. Dort gingen pünktlich um 7:00 Uhr, bei strömenden Regen, 440 der gemeldeten 756 Teilnehmer auf die Strecke.
Dauerduschen am Bödele - Kurz nach dem Start auf der Fahrt nach Dornbirn treffe ich Axel und wir fahren in Dornbirn gemeinsam rechts ab in den Aufstieg zum Bödele. Der Blick auf den Bodensee bei km 1,6 bleibt uns heute verwehrt, dafür kommen uns Wassermassen von oben und unten entgegen. Eine Rampe von 14% nach 2,8 km zwingt zum Runterschalten bzw. in den Wiegetritt. Bis Oberfallenberg betrug die Steigung im Durchschnitt 7,6%, doch jetzt wird es ernst, im Schnitt 9,5% geht’s die nächsten 4,2 km zum Bödele hoch. Kette rechts – Wiegetritt, Kette links – hochkurbeln, so kämpfe ich mich hoch und sehe an der Pulsuhr wie der Puls immer mehr Richtung Maximalpuls steigt. Da sehe ich Peter und denke „Dem geht’s auch nicht besser als Dir“, also weiter „Quäl Dich“. Oben angekommen kurbele ich kurz weiter, trinke etwas und schon geht es in die Abfahrt nach Egg. Obwohl ich denke für die nasse Straße sehr flott unterwegs zu sein, rauschen immern noch welche mit deutlich schnellerem Tempo an mir vorbei. Was ist mit meinem Tacho los -Anzeige 0 km/h-, die Wassermassen von oben und unten, waren wohl zu viel. Immerhin funktioniert die Pulsuhr noch, werde diese später noch dringend benötigen. In Egg angekommen, scharf nach links in die Schleife nach Riefensberg und Hittisau. Mein Tacho funktioniert wieder, dafür ist jetzt die Pulsuhr komplett ausgefallen und wird bis zum Ziel auch nicht mehr funktionieren. Die erste Verpflegungsstelle in Langenegg lassen die Jungs links liegen (tatsächlich war sie auf der rechten Seite) und düsen weiter. Nach einem kurzen Blick zur Wasserflasche entscheide ich „Dranbleiben“. Nach dem Anstieg nach Riefensberg muß ich einen kurzen Stop einlegen, Gel rein, etwas Wasser und weiter leicht bergab in Richtung Hittisau.
Ab Au wurde es richtig steil - Von Egg ging es dann auf dem Seitenstreifen der B200 -ein nicht so schöner Streckenabschnitt- bis nach Au zur zweiten Verpflegungsstelle. Ich fahre schon längere Zeit allein, als endlich eine Gruppe von 3 Mann von hinten kommt, an die ich mich dranhängen kann. So geht’s kräfteschonend bis zur Streckenteilung in Au. Als ich ankomme, sehe ich Günter zu seinem Fahrrad gehen und wir beratschlagen kurz: Was machen wir? Fahren wir die Tour B? Wo sind die Anderen? Bei dem Wetter reicht die Tour B, zumal wir uns beide bereits innerlich darauf eingestellt hatten. Da Günter auf mich wartet, nur kurz etwas Trinken, ein Stück Kuchen essen, die Wasserflasche aufgefüllt und wieder auf´s Rad geschwungen. Ein paar hundert Meter fahre ich noch an Günter´s Hinterrad Richtung Damüls. Am Ortsende von Au beginnt dann die 14%-Steigung über 2 km. Ich wechsele permanent vom Sitzen in den Wiegetritt und zurück. Günter fährt im Sitzen ganz gleichmäßig und überholt Einen nach den Anderen. Von hinten gesehen, bewegen sich nur die Beine, der Oberkörper ist völlig ruhig eine Einheit mit dem Rad. Ich denke „So möchte ich auch einmal einen Alpenpass hochfahren können“. Schon bald sehe ich Günter nicht mehr und muß mich zwingen nicht andauernd an die 8 km bis Damüls zu denken, sondern ruhig weiterzukurbeln.
Krampf am Furkajoch - Endlich die Verpflegungsstelle in Damüls ist erreicht, jetzt ein Red Bull für den letzten Anstieg zum Furkajoch und die Wasserflasche nochmals aufgefüllt. Ich fahre weiter und hoffe bald oben zu sein, doch nach einer Rechtskurve kommt gleich die nächste 15%-Steigung. Da links steht Einer, dem geht es noch schlechter als Dir, das motiviert doch gleich wieder. Doch was ist das, ich bekomme einen Krampf im rechten Oberschenkel und stehe gleich ebenfalls links auf dem Parkstreifen und versuche den Krampf zu lösen. Dehnen funktioniert nicht- entweder zwickt es an der Vorder-oder Hinterseite des Oberschenkels massieren hilft ein wenig- Trinken, weiter lockern und dann wieder aufs Rad. Langsam quäle ich mich hoch, der Tacho zeigt nur noch 6,5 – 6,8 km/h an, doch ich bin froh das die Räder sich überhaupt noch drehen. Nach ein paar hundert Metern wird das Gelände deutlich flacher und steigt mit ca 5% zum Furkajoch an. Die herrliche Landschaft mit den sattgrünen Almenwiesen und den Berggipfeln im Hintergrund nehme ich kaum war. Nach einer weiteren kurzen Rast und dem letzten Gel will ich nur noch zum Joch hoch und ins Ziel. Die Zeitmessmatte am Furkajoch nehme ich überhaupt nicht war. Zu Hause werde ich feststellen, daß Günter mir auf dem Teilstück von Au zum Furkajoch 16 Minuten abgenommen hat. Auf der Abfahrt ist höchste Konzentration gefragt, da auf der Straße nur ein Auto und ein Fahrrad nebeneinander passen. Nach einigen Höhenmetern ist die Abfahrt richtig angenehm, die Straße trocken, die Sonne kommt raus und auf den letzten 32 km kann man es richtig rollen lassen. Ein kleiner Anstieg in Klaus kostet nochmals Überwindung, doch das Ziel ist nicht mehr weit. Nach 5:49:48 habe ich meinen ersten Alpenmarathon erfolgreich beendet. Günter Emrich war bereits nach 5:33:11 als 6. in seiner Alterklasse M55+ im Ziel.
Versprengte RCH-Fahrer - Im Hotel erfahren wir dann später, wie es den Anderen ergangen ist: Peter, Axel und Dieter fuhren von Au über den Hochtannbergpass und Flexenpass die Originalstrecke bis Ludesch. Da für das Faschinajoch nur 5°C und Nebel mit 20m-Sicht gemeldet wurden, fuhren sie im Tal zurück zum Ziel, wo sie nach 7:28 h und 170km mit 2600 Hm ankamen. Zwischenzeitlich lagen sie vor der Spitzengruppe und wurden deshalb von einem Begleitfahrzeug angehalten und nach den Startnummern gefragt. Peter gab hier irrtümlicher Weise die Nummer von Günter an, deshalb wird dieser in der Ergebnisliste als disqualifiziert geführt, obwohl er die Tour B ordnungsgemäß gefahren ist.
Kurt Morgenstern und Klaus Stangl fuhren bis nach Schröcken am Hochtannbergpass, dort ließen sie die Tour beim Schwager von Klaus bei einer Tasse Kaffee ruhig ausklingen. Thomas wartete in Egg auf seinen Bekannten und fuhr über Alberschwende zum Startort in Hohenems zurück. Bleibt festzustellen, keiner der RCH´ler ist die Strecke gefahren für die er sich ursprünglich angemeldet hatte.
|
Wie schnell das Wetter in den Bergen sich ändern kann, sahen wir am nächsten Morgen. Zwar war noch kein strahender Sonnenschein, jedoch bei der Fahrt über das Bödele -diesmal mit dem Auto- konnten Dieter, Günter und ich den Blick zum Bodensee bzw. den Dreiländerblick voll geniessen.
Mein Fazit nach diesem Wochenende: dies war mein erster aber sicherlich nicht mein letzter Alpenmarathon, froh bin ich „nur“ die Tour B gefahren zu sein, denn sonst wäre ich höchstwahrscheinlich noch zum Fußgänger geworden.




