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Ergebnisse der RCH-Teilnehmer


Platz AK  AK  Teilnehmer  Zeit Halbmarathon  Zeit Marathon 
111  W45  Bergholz, Dagmar  02:03:30   
456  M35  Kummerer, Marcel  02:14:59   
875  M45  Ziegler, Donald  02:29:03   
55  M35  Thomasser, Jens    03:49:35  

Mein erster aber nicht mein letzter Marathon


Bericht von Dr. Jens Thomasser

Nach meinem ersten Triathlon Ironman Erlebnis letztes Jahr in Wiesbaden, habe ich nun endgültig Blut geleckt am Ausdauersport. Wenn ich jedoch die mittlere Lebenerwartung eines deutschen Mannes google, bin ich mit 38 Jahren aber voll in der midlife crisis... was wohl eher die Motivation zu sein scheint diese Strapazen auf sich zu nehmen. Das ist auch die Begründung, die ich meinen Patienten immer auf die Frage antworte... "Wieso tun sie das eigentlich?" "Und was sagt ihre Frau dazu?"

Nun... sie hat gelernt meine Verrücktheiten auszusitzen...

Die Idee den Mainzer Marathon zu laufen kam daher, dass ich vor meinem Saisonziel, den Ironman Frankfurt, wenigstens einmal die Strecke von 42,195 km laufen wollte. Somit meldete ich mich schon im Oktober dafür an. Etliche lange Läufe habe ich seitdem in meinem Trainingsplan untergebracht und damit schon 2 Paar Schuhe "zertreten". Laufen war vorher meine Angstdisziplin, nun ist sie meine Lieblingsdisziplin geworde.


08. Mai 2011 - Ein Freund holte mich morgens um 7.15 Uhr ab, in Mainz angekommen fühlte man schon von weitem eine Spannung in der Luft, wie vor dem Start einer Rakete, unglaublich. So viele Menschen, soviel verschiedene Nationalitäten, Hautfarben, Laufschuhe... Noch schnell zwei mal aufs Klo und schon mußten wir zu unserem Startblock, da habe ich dann etwas geschummelt, als Ersttäter hätte ich mich eigentlich in den letzten Startblock einreihen müssen, ich folgte jedoch meinem Kumpel und da stand ich dann 7m hinter den Profis. Die paartausend Läufer und die laut Presse 100tausend Zuschauer jubelten und klatschten wie es der Stadionsprecher von Mainz 05 vorgab. Ein kurzer Händedruck mit meinem Kumpel, Startschuss und eine Menschenmasse setzte sich in Bewegung. Ich glaube in dem Moment bewegte sich der Erdball ein wenig schneller, jedenfalls hatte ich das Gefühl, das er das tut.

Die ersten Kilometer vergingen wie im Fluge. Alle 2 Kilometer war eine Verpflegungsstation, alle drei bis vier Kilometer eine Määänzer Fastnachtskapelle, die zünftige Musik spielte, vor allem die Trommler waren genial, sie gaben den Rhytmus vor, dem die Masse folgte. An der Strecke war auch die komplette Freiwillige Feuerwehr von Mainz und die Werksfeuerwehr der Schott Werke vertreten, die mit ihren A, B und C Spritzen den überhitzten Marathonistis und Halbmarathonistis kühler Nass spendeten. Überall waren Bühnen aufgebaut, und Leute riefen meinen Namen in Verbindung mit dem RC Hattersheim, ein tolles Gefühl.

Quelle: Gutenberg Marathon Mainz

Nach einer Schleife in Weisenau war das Hauptfeld schon auf dem Weg Richtung Ziel. Bei der Rheingoldhalle, die sowohl Start als auch Ziel war, trennten sich nun die Wege, die Läufer die nur den Halbmarathon liefen, genossen schon den Applaus und ihr erstes Erdinger Alkoholfrei, die anderen wenigen hatten noch 21,1 km vor sich. Dazu gesellten sich noch die Staffelisten, die sich den Marathon aufteilten. Mir gings immer noch prima. Auch die Theodor-Heuss-Brücke schaffte ich ohne Probleme, das lag aber auch daran, dass mein Vater sich dort postiert hatte und ein paar Star-Fotos machen sollte. Als ich ihn sah, brüllte ich ihm nur zu, dass ich gleich wieder vorbei käme, dann könnte er bessere Fotos machen. Das "gleich" war etwas voreilig, da es dann doch 5 Kilometeer durch Mz-Kostheim ging, ich hatte schon die Befürchtung, dass er gar nicht mehr da stehen würde. Doch tapfer hielt er in der sengenden Sonne aus, bis sein Sohnemann die Brücke von der anderen Seite wieder hochlief.

Die Sonne war ein Teil dieses Tages, wunderschön, aber heiß, und Feuerwehrschlauch und Wasserstelle waren gern genutzte Helfer gegen die Hitze. Auch dieser Schwamm der bei den Startunterlagen mit dabei war, war unheimlich praktisch, eintauchen in ein Bottich voller Wasser und ab ins Trikot geklemmt.

Die zweite Runde war dann deutlicih aufgeräumter, was vorher wie ein Ameisenstron mit bunten Rennsocken die Straßen Mainz unsicher machte, schmolz auf einen kleinen Rest von Verrückten zusammen, die nur ein Ziel hatten, durchhalten.

Bei zahlreichen Fastnachtskapellen war nun nach 3 Stunden auch die Ermüdung zu hören, entweder spielten sie garnicht, oder sowohl Takt und Töne waren der Hitze entsprechend "aufgeweicht". Beim Kilometer 30 hörte sich das Gespiele einer Kapelle, ich glaube es waren die "Mombacher Bohnebeitel" (Übersetzung habe ich leider nicht, ich bin Wiesbadener!!!), dermaßen schief und träge an, dass ich meinem Laufnachbarn kichernd zujapste:"die spielen genauso, wie ich mich gerade fühle..." Worauf er entgegnete: "...ausgelutscht"

Da ich mich vorher durch zahlreiche Bücher über Marathon informiert hatte und jeden Marathonisti ausgequetscht hatte, erwartete ich ab Kilometer 32 den "Hammermann", "den kleinen Mann mit dem großen Hammer" oder wie man auch sagt" gegen die Wand laufen". Da kam aber keiner mit einem Hammer, auch eine Wand tat sich nicht vor mir auf, nur ständig nette Menschen die einen anfeuerten oder Wasser anreichten. Aber...die Beine taten ab 34 Kilometer weh, verdammt weh. Beschreiben läßt sich das nur so...Muskelkater am Tag nach einer 3.000 m Bergbesteigung, mit dem man versucht noch einen verpaßten Bus im Sprint einzuholen...so tut das weh!

Alles ist jedoch vergessen wenn man das 40 Kilometer-Schild sieht. Nun säumten wieder Menschenmassen die Strecke, unglaublich, sagenhaft, der Lohn aller Trainingsqualen ergießt sich in einem Gefühlsrausch über einen. Auf den letzten hundert Metern feuerte mich noch mein guter alter Freund und Vereinskamerad Marcel ins Ziel, wenn er mich nicht angebrüllt hätte, hätte ich ihn fast übersehen in meinem Delirium. Die letzten Meter holte ich dann noch einmal alles raus, um meinem Laufstil noch ein bißchen "Stil" zu verleihen, dann Ziel, Medaille...fertig. 3 Stunden und 49 Minuten. Irgendwann hatte ich dann auch mein Erdinger Alkoholfrei, ein bißchen Cola und eine Brezel, mehr war nicht drin. Die Beine branntenjetzt wirklich extrem, Treppensteigen ging garnicht mehr. Ich suchte meinen Kumpel Oli in der Menge, aber erst mit dem Hilfsmittel namens Handy aus dem Finisherbeutel konnten wir uns wiedersehen. Er hatte den Marathon in 2 Stunden 55 Minuten absolviert und wurde 22igster !!!

Ein Marathon ist machbar, das weiß ich jetzt, die nötige Vorbereitung vorausgesetzt. Der Hammermann kommt nicht, wenn man die Geschwindigkeiteinhält, die man bei seinen langen Läufen im Training läuft...immer schön in der Fettverbrennung bleiben, dann geht das !

Soo...nächster Halt, Ironman Frankfurt...mal sehen, ob ich danach auch noch sagen kann:"Das war mein erster, aber nicht mein letzter...."

Dr. Jens Thomasser

Quelle: firstfotofactory