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Bericht von Axel Wilken

Hamburg, der 22. Mai 2011.
Der Haspa (Hamburger Sparkasse) Marathon steht an und in diese Veranstaltung integriert die Deutschen Meisterschaften in dieser Disziplin. Grund genug für mein „schnellstes Rennpferd im Stall“ gezielt zu trainieren, vorhandene gesundheitliche Beeinträchtigungen zu ignorieren und nervös dem Tag entgegen zu fiebern.

Der Tag des Rennens. Ideale Bedingungen – allerdings nur für Schwimmbadbesucher. Hamburg präsentiert sich morgens zur Startzeit um 9:00 Uhr bereits bei etwa 20 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein. Der kräftige Wind lässt bei mir Heimatgefühle aufkommen. Ich denke spontan an die Strecke zwischen Eddersheim und Flörsheim. Wir halten in der Nähe des Startortes (Stadion des FC St.Pauli) vor einem Hotel und ich packe meinen Crosser aus dem Auto. Ein Rolli-Teilnehmer spricht mich an, ob ich denn einen Kompressor mit mir führen würde. Sein Kumpel säße betrübt mit wenig Luft und kaputtem Kompressor vor seinem Rolli im Hotelzimmer. Perfekt ausgerüstet wie immer, konnte ich nur mit der Pumpe für die Trikottasche dienen, begab mich aber bereitwillig in die Höhle des leidgeprüften Rollifahrers. Reifen angefühlt und für sehr prall gefüllt empfunden. Dann die Schrecksekunde – das Gefährt werde mit 13 bar Reifendruck gefahren. Leise wand ich ein, dass meine kleine Pumpe wohl maximal 11 bar liefern würde, von meinen Fähigkeiten mal ganz zu schweigen. Durch das harte und beständige Mittwochstraining des RC Hattersheim mit gewaltiger Arm- und Oberkörpermuskulatur gesegnet, gelang es mir eindrucksvoll, das Gefährt auf beiden Seiten mit 9 bar zu versorgen. Völlig entkräftet und schweißgebadet durfte ich mich zur Belohnung für meine Hilfsbereitschaft auch dem dritten, von mir bislang nicht bemerkten kleinen Vorderrad widmen. Mit zitternden Knien und durchgeschwitztem Dress verließ ich das Hotel, um nach meinem „Rennpferd“ zu schauen, das relativ entspannt am Auto auf mich wartete. Der Crosser war für seinen Einsatz endpräpariert, als erneut die Rolli-Truppe erschien, dieses Mal versehen mit einem Stand-Kompressor, den man anderweitig aufgetrieben hatte. Mit Freude wuchtete ich noch 4 bar in die Reifen, das eine Ohr immer auf die Schulter legend, um den vermuteten Reifenplatzer nicht zum Trommelfellkiller werden zu lassen.

Alle waren nun fertig – ich sowieso - . Ich begleitete Stefan – so hieß mein Rolli-Jockey – noch eine Weile anfeuernd auf der Strecke, bekam den üblichen Augenmuskelkater bei der Ausschau nach meiner holden Gattin, dem Rennpferd, und so ging ein schöner Tag in meiner Geburtsstadt bei mittlerweile hochsommerlichen Temperaturen zu Ende.

Fazit: Ich werde künftig mehr auf Rollis achten.

P. S.: Das Rennpferd lief gut und belegte in ihrer Altersklasse der Frauen den 2. Platz bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in Hamburg 2011