Reisebericht von Dieter Fichter
Eine Radreise um dem Winter für ein gewisse Zeit zu entfliehen, aber auch um das Kuba Fidel Castros zu erleben - solange es in der Form noch existiert - ist die
Radtour: HAVANNA UND DER WESTEN
"Vieles von dem, was Cuba so anziehend macht, findet sich in den westlichen Provinzen: Wunderbare Strände, Tabakfelder in der „Tabakprovinz“ Pinar del Río, das weltbekannte Viñalestal mit seinen eindrucksvollen Felsformationen und fruchtbaren Ebenen und natürlich: Die Hauptstadt Havanna, kulturelles und politisches Zentrum des Landes.“ So lautete die Werbung des Reiseveranstaltern Profil-Reisen für diese 2-wöchige Tour. Und ich muss sagen, da ist nicht zuviel versprochen worden.
Kuba und Radler - ein gutes Team
Beginnen möchte ich mit ein paar allgemeinen Punkten, die aber gewiss interessant sind, auch für eventuelle Nachahmer. Kuba liegt auf der nördlichen Halbkugel und im Dezember ist dort - wie bei uns auch - Winter. Dieser Winter bedeutet aber Tagestemperaturen zwischen 25 und 30° Celsius mit gelegentlichen leichten Wolken am Himmel. An einem einzigen Tag hatte es geregnet, aber dann richtig und das hieß Komplettwechsel von allem was man am Körper hatte (wenn man - wie wir - keinen Schutz fand vor dem Regen).
Ob in Familienpensionen oder in Hotels (die mal einfacher, andere aber auch ausgesprochen luxuriös ausgestattet waren), das Frühstück und das Abendessen war immer hervorragend und auch reichlich, wie man es als Radler eben gern hat. Die Versorgung während der Tagestouren war sehr unterschiedlich. In größeren Orten gab es immer etwas zu kaufen (wenn auch in unterschiedlicher Qualität). In kleineren Orten gab es auch schon mal nichts, was dann problematisch hätte werden können, wenn, ja wenn man keine Müsliriegel dabei gehabt hätte. Ausreichend Müsli-/Energie-Riegel mitzubringen ist ein Muss. Mit Wasser hatten wir uns immer zu Beginn der Tagestour versorgt. Der Tagesverbrauch – ohne das abendliche Bier - betrug in etwa 3 bis 5 Liter.
Der Reiseveranstalter stellte gegen einen Aufpreis von 100 EUR Leihräder zur Verfügung. Die Mitnahme bei der Fluggesellschaft kostete 80 EUR, wobei man dabei aber den zusätzlichen Aufwand wie z.B. Verpackung, Demontage/Montage usw. hat. Ich hatte mich für mein eigenes Rad entschieden und hatte damit eine gute Wahl getroffen wie ich rückblickend feststellen kann. Unsere weiblichen Tourteilnehmerinnen hatten sich für Leihräder entschieden und diese hatten zum Einen einige Macken und zum Anderen mussten Einstellungen an Schaltung und Bremsen regelmäßig nachjustiert werden. Ein weiterer Punkt, der während der Fahrt unangenehm auffiel, war die Griffschaltung dieser Räder. Beispiel: Bei nass geschwitzten Händen schlug der Versuch auf einen niedrigeren Gang umzuschalten, um einen Anstieg besser angehen zu können, gelegentlich fehl. Dann hieß es absteigen und wieder einen neuen Anlauf starten.
Aus der Reiseliteratur kann man eines unisono lernen „die Straßen auf Kuba sind in sehr schlechtem Zustand“. Auf Basis unserer Tour-Route kann ich diese Aussage nicht bestätigen. Sicher sind viele der Nebenstraßen nicht rennradtauglich (obwohl es im Februar eine Kuba Vuelta gibt, bei der die ganze Insel von West nach Ost durchquert wird), für ATB oder MTB aber i.d.R. völlig unproblematisch. Die Straßen haben zum Teil Unebenheiten, die ich aber nur bemerkte als wir auf der Rückfahrt nach Havanna einen Bus nutzten. Die PKW Dichte auf Kuba ist – außerhalb Havannas - sehr gering. Dementsprechend hatten wir, ob auf Landstassen oder auch Autobahnen (auf Kuba fährt man auch mit dem Rad auf der Autobahn) recht wenig Verkehr und das ist für eine Radtour sehr angenehm (auf den letzten beiden Routen an der Westküste kann ich mich an max. 10 PKWs verteilt über den ganzen Tag erinnern). Da es immer noch sehr viele betagte „Straßenkreuzer“ gibt ist die Geschwindigkeit gering. I.d.R. hupen die Kubaner, um auf sich aufmerksam zu machen oder halten einen ordentlichen Abstand beim Überholen.
Die Menschen auf Kuba sind überaus freundlich und wir erfuhren i.d.R. eine angenehme Aufmerksamkeit und auch Anerkennung. Die Kubaner selber fahren auch sehr viel Rad. Anzumerken ist, dass es Kubaner nicht mögen, wenn man sie überholt und es ist beachtlich wie lange sie mithalten konnten bei dem in der Regel sehr schlechten Radmaterial.
Lt. Reiseführer hat Kuba eine sehr geringe Kriminalitätsrate (wenn man unvorsichtig ist und Wertgegenstände „ausstellt“, dann ist Diebstahl selbstverständlich wie in jedem Land ein Thema). Wir in unserer Gruppe hatten zu keiner Zeit ein Gefühl von Unsicherheit während unserer Tour. Radtouristen die mit dem Rad alleine unterwegs waren bestätigten uns dies.
Das Radteam und die Route
Nun zu der Tour, aber zuerst zu unserem Team. Wir waren eine kleine Truppe mit insgesamt 5 Radlern. Von rechts nach links unser Guide Tobias, einem Deutschen der seit 5 Jahren in Havanna lebt und studiert, Jule, eine Studentin, die ein Praxissemester in Havanna absolviert, Ralf, der auch schon die Osttour in Kuba mitgemacht hat, Ulrike, eine Extrembergwanderin und ich, der Älteste. Wie sich herausstellte eine gute Mischung für eine gemeinsame Tour.
Aller Anfang ist schwer
Bevor es aber losging, mussten wir erst einmal ankommen. Das erwies sich leider als gar nicht so einfach. Der Direktflug nach Havanna wurde nach ca. 3,5 Stunden wieder nach Frankfurt zurückgeleitet, wegen eines Defektes in der Hydraulik. Begründung: Mit den zwei verbliebenen Kreisläufen ist zwar das Landen kein Problem, aber so darf man dann nicht wieder starten. Da es auf Havanna weder Ersatzteile noch Fachpersonal gibt und eine Zwischenlandung z.B. in Miami aufgrund des angespannten Verhältnisses zwischen Kuba und den USA nicht in Frage kam, landeten wir nach 7 Stunden Flug wieder in Frankfurt. Der zweite Versuch – nach einer sehr kurzen Nacht im Steigenberger Airport Hotel - klappte dann aber ganz prächtig. Leider kamen wir damit erst einen Tag später an und eine Akklimatisierung fiel damit aus.
Wir starteten nach einer Nacht im Hotel am nächsten morgen zu unserer ersten Etappe von ca. 80 km. Die ersten 40 km nach Muriel waren flach, allerdings setzte uns allen die Hitze erheblich zu. Der zweite Abschnitt hatte dann schon eine erste langgezogene Rampe mit einer herausfordernden Steigung. Nach einem Stück Autobahn ging es dann auch schon in die hügelige, sehr grüne Landschaft.
Naturreservat Las Terrazas
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Das Ziel der ersten Etappe war "Las Terrazas", ein in einem von der Unesco geschützten Naturreservat liegendes Erholungsgebiet. Der Fluss "Rio San Juan" der durch dieses Naturschutzgebiet fließt, bildet hier ein natürliches Schwimmbecken mit kleinen Kaskaden und Stufen. Die Komposition war sehr idyllisch, ein Platz zum Seele baumeln lassen. Nach der schweißtreibenden Tour war das Erste nach der späten Ankunft ein Bad im Fluss, welch ein Genuss. |
| Die Pfahlbauten mit Platz für zwei Personen waren unsere Unterkunft. Der Einstieg über eine Leiter und eine recht schwere Holzklappe war etwas gewöhnungsbedürftig. Auch durfte man nach Einbruch der Dunkelheit nicht das große Licht benutzen, da dies von den Moskitos erbarmungslos ausgenutzt wurde. In dem Naturreservat verbrachten wir noch einen weiteren Tag, den wir auch überwiegend zum Akklimatisieren und zum Erkunden der Umgebung nutzten. |
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Die 60 km Tour nach San Diego de los Banos war relativ flach. Erst am Ende ging es wieder in die Bergausläufer. Lange Zeit ging es durch die obligatorischen Palmenhaine und Felder. An einigen Stellen sah man, welche Zerstörungen der letzte Hurrican angerichtet hatte. Ganze Schneisen hatte er durch das Land gezogen und viele Häuser waren verwüstet. Beim Wiederaufbau werden mit finanzieller Hilfe des Staates Materialien eingesetzt die einem Hurrican standhalten sollen. Bis allerdings die Schäden der vergangenen Jahre behoben sind, wird noch viel Zeit ins Land gehen. Der Zielort war ebenso wie das Hotel nicht besonders interessant. Dafür wurden wir mit einem leckeren Abendessen und einer sehr guten einheimischen Band verwöhnt.
Die Tabak Provinz
Das Vinales Tal mit dem gleichnamigen weltbekannten Ort war das Etappenziel des nächsten Tages. Bis dahin waren nicht nur knapp 70 km zu erradeln, sondern auch heftige Berge und steile Rampen mit bis zu 20% Steigung zu bewältigen. Leider hatte ich mir am Abend vorher etwas den Magen verdorben und der Körper war entsprechend entkräftet. An diesem Tag sind wir in einen tropischen Regen hineinkommen, was man auf dem Bild schon an den bedrohlichen Wolken erkennen kann. Es gab aber keine Chance auf Schutz und der Wald neben der Straße war so dicht und unwirtlich, dass auch er als Schutz nicht in Frage kam. War es am Vormittag noch wolkenlos und heiß gewesen, wechselte dies innerhalb kürzester Zeit. Nach dem Regen war es dann 5 – 10° kälter. Auf der Route besuchten wir noch die Höhle in der Fidel mit seinen Generälen während der Invasion der Schweinebucht im Jahre 1961 insgesamt 32 Tage zugebracht hatte. Ich kann mich nicht erinnern jemals so platt gewesen zu sein, als wir am Abend in Vinales ankamen. Die Unterkunft erfolgte in Familien und das Abendessen bestehend aus Fisch, süßen Kartoffeln, Gemüse und schwarzen Bohnen - war eine Köstlichkeit.
| Am nächsten Tag erinnerten auf unserer 4 stündigen Wanderung um Vinales nur noch die Pfützen und die Unpassierbarkeit von Wegen an den Regen des Vortages. Jetzt konnte ich auch die sogenannten Mogotes bestaunen. Eine Bergformation die es sonst nur noch in Asien gibt. Die Wanderung wurde von einem lokalen Guide geführt und wir konnten auf einer Tabakplantage beim Zigarrendrehen zusehen. Zum Abschluss durften wir auf einer Farm deren Produkteund Früchte probieren. Der Nachmittag war zum Relaxen da, und der Abend klang aus mit einem Besuch in einem Lokal mit Lifemusik. |
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Der folgende Tag war mit 40 Kilometern eine gemütliche Tour. Das Auf und Ab erfolgte primär in Serpentinen, wesentlich angenehmer als die vorherigen Rampen. Unsere Fahrt führte durch die Provinzhauptstadt Pinar del Rio zu unserer Unterkunft Rancho Guabina. Dort werden Pferde gezüchtet und auf dem großflächigen Areal werden außerdem Nutztiere gezüchtet und Landwirtschaft betrieben. |
| Unser familiäres Hotel (mit 4 Zimmern) lag auf einer Landzunge in einem Stausee und das Erste nach der Ankunft war ein Sprung in das erfrischende Nass. Der Abend mit dem malerischen Sonnenuntergang und das gemütliche Essen schlossen sich an. Wie so oft ließ ich den Tag mit meinem Buch im Schaukelstuhl auf der Veranda ausklingen. |
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Für die Fahrt nach Sandino waren ca. 90 km zu bewältigen, wovon ca. 60 km zunächst weiter durch die Bergen führten. Diese Etappe wurde von unserem Guide als die schönste der Tour angekündigt und ich kann dies nur unterstreichen. Von La Guabina ging es in Serpentinen moderat bergauf bis wir den Bergrücken erreichten. Die anschließende Abfahrt ins Tal war eine wirkliche Belohnung und im Talgrund erreichten wir dann das Städtchen Sumidero. Von dort aus ging es dann durch ein Tal flankiert von Bergen - immer nach Westen, begleitet von einem Fluss den wir, ich weiß nicht wie oft, überqueren mussten.Bei der Instandhaltung der Brücken sind die Kubaner sehr erfinderisch. Ist die erste Querlattung defekt, wird einfach eine Längslattung aufgelegt. Schwächelt diese, dann werden Metallplatten aufgenagelt. Funktioniert wunderbar, aber als Radler muss man aufpassen, dass man nicht in die reichlich vorhandenen Lücken der Längslattung kommt.
Die Berge waren dank üppigster Flora komplett in grün gewandet. Genau das machte den Charme der Strecke aus und dieser Abschnitt bekam vom Team das Prädikat "Genussradeln". Als wir Guana erreichten, war es dann vorbei mit den Bergen. Es wurde flach, die Bäume verschwanden mehr und mehr aus dem Landschaftsbild, das zunehmend in Richtung Steppe überging. Auf den 30 Kilometern bis Sandino konzentrierten wir uns auf das Radfahren im Sinne "schau mer mal, was wir drauf haben" und so schafften wir die Strecke mit einem 27er Schnitt. Deutlich war zu spüren, dass wir alle bei Kraft und Kondition einiges zugelegt hatten. In Sandino nächtigten wir wieder in einer Familie. Nach Einbruch der Dunkelheit war der Ort „tot“ und so blieben wir in der Familie. Es hatte sich herumgesprochen; dass Gäste da waren, - und so kam noch Besuch und es wurde ein gemütlicher Abend. Glücklicherweise war einer der Gäste so freundlich, langsam und klar zu sprechen, so dass auch diejenigen, mit nicht so stabilen Spanisch-Sprachkenntnissen, die Chance hatten, an der Konversation teilzunehmen.
Die Karibik
Die vorletzte Tour führte uns dann ans Meer, zu unserem ersten Badetag in der Karibik. Knappe 70 km standen auf dem Programm und da die Umgebung nicht so attraktiv war, ließen wir die Räder wieder ordentlich rollen. Der Tag war extrem heiß und es gab so gut wie keinen Schatten. Eigentlich hatten wir vorgehabt bis zum Mittag in Maria la Gorda, unserem Etappenziel anzukommen. Aber leider hatte ein Teammitglied einen Radschaden, dessen Behebung uns eine Stunde kostete. So wurde es dann doch 15 Uhr, bis wir das Ziel erreichten und uns von der sanften Brandung des Meeres im Wasser schaukeln ließen .
| Auf der Fahrt lernten wir eine einfache Methode des Reistrocknens kennen. Es wird einfach ein Holz auf die Straße gelegt, dies signalisiert dem Verkehr "bitte umfahren" und dahinter wird dann der Reis auf der Straße ausgebreitet. Das funktioniert nicht nur mit uns Radlern, sondern auch mit den vierrädrigen Verkehrsteilnehmern. |
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Auch der letzte Tourtag war extrem heiß mit ca. 80 km Entfernung zum Ziel, dem westlichsten Punkt der Insel. Die Fahrt ging in großen Teilen am Meer entlang und in einige Streckenabschnitte ging es durch Lavafelder. „Gefühlt“ wurde die Hitze durch dieses Gestein noch verstärkt. Allerdings gibt es gerade in diesen Abschnitten Tiere, die diese Hitze offensichtlich lieben, die sehr scheuen Leguane. Diese werden bis zu 1,20 Meter lang und sind normalerweise selten zu sehen. Da wir als Radfahrer relativ leise sind, gelang es uns aber einige dieser Tiere –meistens auf der Flucht und deshalb von hinten- zu erblicken. Auf der Tour gab es keinerlei Verpflegungsstation und wir hatten jeder 5 Liter Wasser dabei, die wir auch bis auf den letzen Tropfen aufbrauchten. Am Ziel, Cabo de San Antonio erwartete uns - wie auch in Maria la Gorda - eine sehr komfortable Unterkunft. Hier gab es dann auch noch einen Ruhetag bevor es dann mit einem Bustransfer nach Havanna zurückging.
Zusammenfassend muss ich sagen, dass Kuba ein ideales Radreiseland ist. Wenn man das Glück hat einen Guide wie Tobias an der Seite zu haben, dann ist dies das sogenannte I-Tüpfelchen. Seine Kenntnisse der kubanischen Geschichte, der aktuellen Entwicklungen in Kuba und der Nähe zu der kubanischen Bevölkerung hat uns allen das Land Kuba sehr viel näher gebracht. So möchte ich jetzt den Reisebericht mit einem Photo auf dem auch der kubanische Volksheld Che Guevara zu sehen ist beenden. Ich hoffe er war unterhaltsam.
