Bericht von Axel Niemann
Wir, das sind Dagmar Bergholz, Dirk Müller, Michael Kloke und ich Axel Nieman haben uns beim erfahrenen Organisator Günther Kulessa für den Radklassiker Mailand-Sanremo, das als Jedermannrennen ausgetragen wird, angemeldet. Zusammen mit insgesamt 30 Teilnehmern startete die organisierten Busreise um 6:00 früh aus Frankfurt in Richtung Mailand. Die Anreise dauerte durch die Sperrung des Gotthardtunnel, den wir umfahren mussten, ca. 14 Stunden. Wir ahnten schon was uns in Mailand-Assago erwartete - Regen. Unterkunft, Verpflegung war top. Unser Hotel lag 100 m vom Start entfernt, so das wir am Veranstaltungstag erst gegen 5:00 aufstehen mussten.
Sonntag, 5. Juni 2011
Frühstück - 10 000 kcal so früh in sich zu schaufeln ist schon gewöhnungsbedürftig. 6:30 - so langsam treffen die ca. 900 Starter dieser RTF im Startbereich ein. 6:45 - der Wetterbericht hat recht, 15 °C es fängt wieder an zu regnen. Wir vier versuchen uns im Startblock zu finden und beschließen, die ersten Kilometer zusammenzufahren. 7:00 - es schüttete wie aus Eimern. Endlich 10 min nach 7:00 klicken alle gemeinsam in die Pedale, das Geräusch des Regens lässt die Startansage verstummen. Los los los, nur nicht stürzen im Gedrängel. Wo sind die anderen, ich sehe nichts im Regen. Auf den ersten kilometern kann ich mich gut nach vorne durchsetzen. Es schüttet und die Straßen waren so schlecht, dass ich in der ersten Stunde wohl über 50 Trinkflaschen auf der Straße liegen gesehen habe. Die rechte Seite der Fahrbahn war gesäumt von Fahrern mit Reifedefekten. Es bildeten sich auf Grund des hohen Tempos Gruppen. Ich befand mich in der zweiten, wir fuhren einen Schnitt von 45 km/h. Nach zwei Stunden Regenfahrt erlebten wir noch eine Steigerung des Wetters, Gewitter, Blitze und noch mehr Regen. Ich dachte, wenn das so weiter regnet, hätte ich 2 von 4 Getränkeflaschen zuhause lassen können. Wir nähern uns so langsam Campo Ligure, die erste Verpflegungsstelle nach 135 km. Ein leichter Anstieg, wir hatten an diesem Verpflegungspunkt einen 41er Schnitt. Meine Gruppe wurde immer kleiner und ich beschloss diesen Punkt auszulassen und mit der Gruppe bis Spotorno, dem nächsten Verpflegungspunkt durchzufahren.
Nun galt es den Passo del Turchino zu bezwingen. Nach einem Tunnel auf der Passhöhe stürzten wir uns im Sonnenschein bei ca. 27 °C in die Abfahrt nach Genua. Links das türkisfarbene Meer und rechts die Felswände der ligurischen Küste. Vorbei an Palmen durch malerische Küstenorte, näherten wir uns der 200 km-Marke und meinem ersten Verpflegungspunkt. Ich schaute aufs offene Meer und versuchte mich zu entspannen. Es wurde immer wärmer und meine 4 Getränkeflaschen waren aufgebraucht, ich konnte dadurch keine Gels mehr zu mir zunehmen. Durchhalten, noch 30 km. Dieser Streckenabschnitt hatte nichts von einem RTF-Charakter. Auf der Küstenstraße und in den Ortschaften herrschte das blanke Chaos. Wir hielten an keiner roten Ampel und Kreuzungen die mit Autos befahren waren, wurden ohne anzubremsen mit Renntempo durchfahren. Fußgängerüberwege wurden mit Höchsttempo passiert, die Fußgänger blieben wie versteinert auf dem Zebrastreifen stehen. Ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut. Die Italiener die diese Gruppe anführten, hatten eindeutig Heimvorteil. Autos wurden nicht nur auf dem Mittelstreifen sondern auch rechts überholt. Wenn die Straßenbreite ein überholen eigentlich unmöglich machte, zeigten uns die Gastgeber wie das in Italien geregelt wird. Mann oder Frau nutzte einfach die Gegenfahrbahn, die Autofahren waren gezwungen rechts zu halten. Ich musste schmunzeln, in meiner Heimat würde man mich dafür einsperren. So langsam zehrt die gefahrene Strecke bei meinen Kräften. Jetzt fängt der schwere Teil von Mailand-Sanremo an, die Straße führt immer wieder über klein Anstiege. Ich nehme etwas Tritt raus, da kommt ja noch Capo Berta, Cipressa und Poggio.
Endlich, nach 200 km und einem Schnitt von 38 km/h fahre ich in den Ort Spotorno. Der Verpflegungsstand hatte alle was ein Rennfahrer sich wünscht. Die Getränkeflasche aufgefüllt, die Trikotaschen voll, freue ich mich nach einer kleinen Pause im Schatten auf das letzte Drittel und und zugliech schwersten Rennabschnitt.
Entspannt setzte ich meine Fahrt fort. Wir waren zu dritt und fuhren mit einem Tempo von 15 km/h in Richtung Finale Ligure eine Anhöhe hinauf. Plötzlich verhakt mein Vorderrad an einem vor mir fahrenden Fahrrad - Sturz. Wir lagen mitten auf der Straße. Es ist 13:00, 210km und das Aus.
Das Ende vom Abenteuer, Prellungen, mein Rad defekt und bei meinem Begleiter eine schwere Sturzverletzung - Schlüsselbeinbruch. Ich möchte gerne das was jetzt folgte überspringen, denn das war nicht lustig. Nur so viel, ich war erst gegen 19:00 im Zielbereich. Kurz nach dem Sturz radelte Dagmar an uns vorbei, man sah sie die noch gut aus. Auch Dirk und Michael fuhren eine Weile später an uns vorbei.
Resümee:
Ich musste zwar sturzbedingt das Rennen vorzeitig beenden, werde mich jedoch mit Sicherheit noch einmal dieser Herausforderung stellen.
Platzierungen
| Platz AK | Zeit | km/h | |
| 2 | Dagmar Bergholz | 09:21:00 | 31,55 |
| 146 | Dirk Müller | 10:12:06 | 28,92 |
| 149 | Michael Kloke | 10:14:38 | 28,80 |
Strecke