StartseiteVereinGiro HattersheimStaufenBikePermanenteTrainingSaison 2011RückblickMitgliederLinks

Schwalbe-TOUR-Transalp, 7-tägiges Etappenrennen Sonthofen-Arco, 26.06.-02.07.2011
Bericht von Günter Emrich

Als erstes Zweierteam des RC Hattersheim haben Michael Ruffert und ich erfolgreich an der Schwalbe-TOUR-Transalp teilgenommen. Wir starteten in Sonthofen im Allgäu und konnten nach sieben Etappen durch die österreichischen und italienischen Alpen glücklich und bewegt in Arco am Gardasee über den Zielstrich fahren. Das Rennen brachte Gänsehaut pur, Erleichterung, unvergessliche Momente, einzigartige Eindrücke, aber auch Qualen und Zweifel. Im Ziel überwog die pure Freude, ein außergewöhnliches und spektakuläres Radrennen durchgestanden zu haben. 917 km und 19.553 Höhenmeter lagen zwischen dem Startort Sonthofen und Arco, fünf Kilometer nördlich des Gardasees. 22 Alpenpässe mussten überquert werden, darunter so bekannte Namen wie: Hahntennjoch, Arlberg, Bielerhöhe, Stilfserjoch, Mortirolo, Passo Tonale und Mendelpass. Unter den 1.200 Teilnehmern aus 29 Nationen, die in 600 Zweierteams starteten,befanden sich 780 Rennfahrer aus Deutschland, 75 aus den Niederlanden, 54 aus der Schweiz, 53 aus Österreich und 44 aus Italien. Das weitest angereiste Team kam aus Australien.

Und so fing alles an?


Quelle: Uwe Geissler / TOUR


Ende November 2010 rief mich Michael an und berichtete mir von seinem Plan, nach 2006 ein zweites Mal die TOUR-Transalp fahren zu wollen. Er fragte, ob ich mir vorstellen könnte, ihn als Teampartner zu begleiten. Denn die Transalp ist ein Teamwettbewerb: Es starten nur Zweierteams und es wird immer die Zeit das langsamsten Fahrers gewertet. Ich war überrascht und skeptisch, ob ich das in meinem betagten Alter jenseits der 60 überhaupt noch bewältigen könnte. 19.553 Höhenmeter in einer Woche, war das zu schaffen? Es erschien mir zu anspruchsvoll. Daher erteilte ich ihm zunächst eine Absage – wollte aber über den Vorschlag auch noch mal nachdenken.Wir telefonierten in den nächsten Tagen noch mehrfach - drei Tage noch bis zur Anmeldung am 01.12.2010.

Ich stöberte immer öfter auf www.tourtransalp.de, schaute mir Streckenpläne und die dazugehörigen Höhenprofile mit den Pässen an. Einige davon in Südtirol bin ich beim Giro delle Dolomiti schon gefahren, von den meisten kannte ich jedoch nur die Namen. Einer davon war besonders gefürchtet und gilt auch im Profi-Peloton als einer der schwersten Alpenpässe - der Mortirolo auf der 5. Etappe. Aber wenn Michael sich diese schwere Tour ein weiteres Mal zutraut, sollte es für mich vielleicht auch machbar sein. Wann würde ich noch einmal die Gelegenheit bekommen? Meine Familie unterstützte das Vorhaben. Mein Sohn Patrick sagte: „Mach es, oder willst Du warten bis du 70 bist?“ Wenige Stunden bevor die Anmeldung freigeschaltet wurde, gab ich Michael meine Zusage und der war happy einen Teampartner gefunden zu haben. Jetzt musste es nur noch mit der Anmeldung klappen, denn die Teamstartplätze sind auf 600 limitiert und binnen weniger Minuten vergeben. Am Nachmittag um genau 17:11 dann die Benachrichtigung, dass die Online-Anmeldung erfolgreich war und wir als Teilnehmer der 9. Schwalbe-Tour-Transalp 2011 verbindlich angemeldet sind. Teamname: Radsportfreunde Hattersheim.

Ab sofort gab es keine Trainingsausrede mehr: Es ist ja noch Winter, das neue Jahr hat ja noch gar nicht angefangen, es ist zu kalt, zu nass oder es hat zu viel Schnee. Es muss jetzt regelmäßig trainiert werden. und so zwinge ich mich seit Jahren sogar wieder zum Rollentraining. Die 1. Etappe am 26.06.2011 von Sonthofen nach Imst immer fest im Blick fällt dieses stupide Training etwas leichter. Mein persönliches Trainingsziel sind mindestens 7.000 km plus X bis zum Start der Transalp. Letzter Test war dann das Pfingstwochenende mit dem Rhönmarathon als Höhepunkt und insgesamt 469 km mit 6.500 Höhenmetern an drei Tagen. Die Form war ganz gut, aber ich zweifelte noch, ob das für eine sportliche Herausforderung wie die Transalp reichen würde. Michael und ich hatten leider in der Vorbereitungsphase nur wenige Male Gelegenheit zu gemeinsamen Trainingsausfahrten bei RTF‘s. Er konnte aus beruflichen Gründen nicht so trainieren wie er sich das vorgestellt hatte, war aber im März eine Trainingswoche auf Mallorca und hatte bei der Velotour am 1. Mai in Eschborn eine gute Form gezeigt.

Beim GIRO trafen wir uns zu letzten Absprachen bevor wir am Freitagmittag, den 24.06.2011 die Fahrt nach Sonthofen antraten.

Der Tag davor


Lampenfieber - am Samstag um 10:00 Uhr steigt das Transalpfieber - Einchecken und das Startpaket mit der Monster-Reisetasche im Format 90x40x40 cm abholen - Startnummer 586 A und B. Die Anmeldung klappt reibungslos und zügig, wie alles bei der Transalp - eine perfekte Organisation bis ins Detail. Danach verbringen wir noch einige Zeit mit Einkäufen und Rennluft schnuppern auf dem Expo-Gelände der STTA. Michael arbeitet noch an seinem Gewicht und legt einen Friseurbesuch ein, am Berg zählt schließlich jedes Gramm. Abends Carboloading in einer Sonthofener Pizzeria. Das Wetter für unsere Tour verspricht schön zu werden, was wir noch nicht glauben können, denn es war den ganzen Samstag bewölkt und in der Nacht zu Starttag fällt etwas Regen.

1. Etappe, Sonthofen (D) - Imst (A)


Pässe:
Alter Gaichtpass (1.082 m)
Namloser Sattel (1.369 m)
Hahntennjoch (1.894 m)

Zum Auftakt die Rampen des Hahntennjoch - nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns um 07:30 Uhr auf den Weg zur Grüntenkaserne in Sonthofen, wo während der Transalp das Auto abgestellt bleibt und die Taschenabgabe erfolgt. Immer paarweise, rot (B) unten und blau (A) obenauf. Für den Transport stehen zehn LKW bereit. Bis zum Start ist jetzt noch jede Menge Zeit, die Wolkendecke reist auf, wir geniessen die Morgensonne und fahren uns noch ein wenig ein, während andere im Freien gemütlich einen Kaffee trinken - Kaiserwetter. Um 9:14 Uhr finden wir uns am Startbogen ein, machen noch ein paar Fotos und suchen dann den hinteren Startblock D auf, der für Neulinge reserviert ist. Wo man hinschaut jede Menge feinstes Carbonmaterial und Teilnehmer mit durchgestyltem Outfit und austrainierten Beinen. Nervosität liegt in der Luft, noch ein letzter Gruß per Handy an die Familie zu Hause, ein letztes Foto aus dem Startblock und dann endlich um Punkt 10:00 der Startschuss zur größten Herausforderung in meinem Radlerleben. Bis unsere Räder rollen vergehen jedoch noch einige Minuten. Unter dem rauschenden Beifall der Zuschauer überfahren wir die Startlinie, das Rennen hat begonnen - 7 Tage, 917 km und 19.553 Höhenmeter und 22 Pässe liegen vor uns.

Auf dem Flachstück bis Hindelang gieht es gleich mit hohem Tempo zur Sache und jeder versucht ein gutes Hinterrad zu erwischen. Dann der erste Berg der Transalp, das Oberjoch (1.156 m), ist nicht zu steil, sehr kurvenreich, also eigentlich schön zu fahren, wenn da nicht die verdammt hohe Pulsanzeige wäre. An diesem ersten Anstieg mit 350 m Höhendifferenz auf 7 km befinden sich sehr viele Zuschauer die uns anfeuern, die Stimmung ist toll. Meinem Magen geht es nicht so toll - ich habe Krämpfe, aber das legte sich später wieder. Über zu hohe Pulswerte klagten viele im Teilnehmerfeld, offenbar bedarf es einer gewissen Akklimatisierung, zur Not könnte man es auch auf das Wetter schieben. In den kommenden Tagen war jedenfalls in dieser Hinsicht alles im Lot und die Pulswerte wieder normal. Durch das Tannheimer Tal geht es zum alten Gaichtpass (1.0829, den man kaum als solchen wahrnimmt und dann abwärts Richtung Reutte. Über Bichlbach und Berwang geht es aufwärts zur 1. Verpflegungsstation kurz vor Kelmen. Auf einer langen Abfahrt geht es ins Lechtal nach Stanzach. Bei Elmen wird es ernst, es geht links weg und man blickt direkt auf die berühmte Rampe des Hahntennjochs (1.894 m) die jedem Radfahrer Respekt einflößt, denn es sind Steigungswerte von konstant 12-15% zu überwinden auf dem ersten Kilometer. Es ist jedoch der erste Tag und es sind noch genügend Kraftreserven vorhanden. Der Rennleiter Uli Stanciu hat uns jedoch beim Briefing am Vorabend gewarnt, die ersten beiden Tage nicht zu schnell anzugehen und nicht zu überziehen. Sein Spruch: Wer den dritten Tag überstanden hat, kommt auch in Arco an. Also müssen wir nur noch zwei Tage schaffen - Hurra ! Nach der 2. Verpflegung bei etwa km 100 wird das Hahntennjoch ab dem Straßenschild „Erholung in Boden“ erst richtig eklig - dutzende Serpentinen bis 19% steil zwingen uns aus dem Sattel zu gehen bis nach 917 m Höhendifferenz die Passhöhe endlich erreicht ist. Ich mache hier ein paar Fotos und warte auf Michael, denn wir wollten zusammen abfahren. Die Abfahrt durch eine sehr karge Landschaft war grandios, aber auch mit einigen sehr engen Kurven direkt an steilen Felswänden gefährlich. Davor wurde eindringlich gewarnt, und wir fuhren mit größter Aufmerksamkeit und ohne Risiko talwärts Richtung Imst. Aus Sicherheitsgründen war die Zeitnahme 3,5 km vorverlegt und die Marshalls führten gruppenweise das Fahrerfeld nach Imst ins Ziel bei der Kletterhalle. Unser Quartier Gasthof Dollinger lag ausserhalb. So mussten noch zusätzlich 7km mit dem Rad zurückgelegt werden. Ein Shuttlebus brachte uns dann zur Pastaparty nach Imst und wieder zurück.

Höhenprofil 1. Etappe Quelle:www.tourtransalp.de

2. Etappe, Imst (A) - Ischgl (A)


Quelle: Uwe Geissler / TOUR

Pässe:
Arlbergpass (1.793 m)
Bielerhöhe (2.024 m)

Höllenritt zur Bielerhöhe - das Feld wurde zunächst neutralisiert geführt bis hinter Landeck. Prima dachten wir - gemütliches einrollen - weit gefehlt, die Motos fuhren so, dass ständig mit mindestens 35 - 40 km/h gefahren werden konnte. Heute lief es besser, aber es sollte sehr heiß werden. Zwei richtige Berge standen auf dem Programm, der Arlberg (1.793 m) und der erste Zweitausender, die Bielerhöhe (2.024 m). Nach St. Anton der steilste Abschnitt des Arlberges mit einigen Kehren bis 13% und einer Lawinengalerie, der Schweiß lief jetzt in Strömen. Auf der Passhöhe bei km 54 die Verpflegungsstelle und danach eine temporeiche, 30 km lange Abfahrt bis nach Bludens (585 m). Wir biegen ab ins herrliche Montafon, ein 39 km langes immer leicht ansteigendes Tal, an dessen Ende der schwere Anstieg zur Bielerhöhe (2.024 m) auf uns wartete. Bei der Verpflegungsstelle in Gaschurn signalisierte Michael, ich sollte schon mal vorfahren. Er nahm sich eine etwas längere Pause, um Sonnencreme aufzutragen, denn die Sonne brannte heiß vom Himmel

Ich machte mich auf den Weg in die zahlreichen Serpentinen und auf die höllischen und sehr harten 15 km mit 981 m Höhendifferenz bis zur Passhöhe. Der Einstieg beginnt bei Partenen (1.051m) gleich ziemlich steil und die Hitze wird jetzt,wo es bergauf geht, zur Qual. An fast jedem fließenden Gewässer sieht man Radfahrer absteigen, um sich eine Kühlung zu verschaffen und kaltes Trinkwasser aufzunehmen. Weiter oben erleiden einige sogar Kreislaufprobleme. Nahezu an jeder schattigen Stelle des Aufstieges halten immer wieder Radfahrer an. Das Rescueteam hatte alle Hände voll zu tun und sogar der Rettungshubschrauber war im Einsatz. Ab dem Vermunt-Stausee befindet man sich oberhalb der Baumgrenze, die Passhöhe ist damit jedoch noch nicht erreicht - in zahlreichen weitläufigen Serpentinen geht es weiter aufwärts bis zur Bielerhöhe wo sich ein imposanter Blick über den Stausee auf die Gletscher der Silvretta-Gruppe mit dem Piz Buin (3.312m) eröffnet. Das ist eine Stop wert und ich mache schnell noch ein Foto, bevor es in die 20 km lange Genussabfahrt nach Ischgl geht, wo man es richtig krachen lassen kann. Man musste nur auf die Kühe aufpassen, die hin und wieder die Straße überqueren. Michael erreicht 18 Minuten nach mir das Ziel. Wir liegen heute in der Tagesplatzierung um 16 Plätze besser und sind im Gesamtergebnis jetzt auf Rang 63 vorgerückt.

Höhenprofil 2. Etappe Quelle: www.tourtransalp.de

3. Etappe, Ischgl (A) - Naturns (I)


Pässe:
Tobadill (1.147 m)
Norbertshöhe (1.407 m)
Vinschgauer Höhenstraße (1.575 m)

Längste Etappe führt nach Südtirol
- heute stand mit 159 km der längste Tagesabschnitt an. Nach dem Start in Ischgl bei 10°C ging es zunächst 21 km neutralisiert bergab bis zum Ende des Paznauntals und dann scharf abzweigend in einen kurzen, aber giftigen Anstieg nach Tobadill, das auf einer Terasse 200 m oberhalb von Pians liegt. Nach der Abfahrt von Tobadill erreichen wir Landeck und fahren leicht bergauf durchs Inntal bis zur Schweizer Grenze. Kurz davor ist die Verpflegungsstelle eingerichtet und wie immer herrscht hier hektisches Treiben - Trinkflaschen auffüllen, hastig Bananenstücke und Melone in sich hineinstopfen und dann gleich weiter, nur nicht zu viel Zeit verlieren. Es geht nach Martina und dann mit moderater Steigung (7-8%) in 11 nummerierten Kehren zur Norbertshöhe (1.461 m) hinauf - 6,5 km /426 Hm. Über Nauders, wo am Vortag der Dreiländergiro ausgetragen wurde, geht es weiter Richtung Reschenpass (1.507m), neben dem Brenner der wichtigste Übergang nach Italien - leider auch deshalb sehr stark verkehrsbelastet. Unser Rennleiter hat jedoch eine sehr schöne und wenig befahrene Nebenstrecke rechts oberhalb des Reschensees bis Spin für uns ausgesucht. Über den Reschen bläst der Wind ins Vinschgau und verleiht uns dann in der knapp 20 km langen Abfahrt bis Schlanders zusätzliche Flügel. Bei der 2. Tagesverpflegung sind es schon über 30°C.

Kurz danach erfolgt der Abzweig auf die kaum befahrene und schmale Vinschgauer Höhenstraße, die gleich mit einer steilen Rampe hektische Schaltarbeit auslöst. 650 Hm geht es hinauf bis auf 1.575m mit herrlichen Ausblicken auf die Gletscherwelt des Ortler und die Obstgärten des Vinschgau. Ab Kortsch führt die Strecke oft Nebenwegen durch die Obstplantagen. Und dann 15 km vor dem Ziel noch eine kleine Gemeinheit - ein 10%iger Anstieg nach Tarsch (814m), 1,5 km lang - danach ist es geschafft. Auf verwinkeltem Kurs geht es bergab dem Ziel in Naturns (540m) entgegen. Vor dem Bürgerhaus gibt es als Zielverpflegung heute leckere Vinschgauer Brötchen mit Salami und Obst. Als Michael 17 Minuten nach mir ins Ziel kommt, kühle ich meine Füße gerade mit Jentschuras basischem Salzbad - echt wohltuend nach über 6 Stunden Fahrzeit und einer Mörderhitze. Noch eine kleine Zugabe gefällig - unsere Dusche liegt heute wieder außerhalb des Zielortes, in Rabland. Gut 5 km lockeres Ausfahren sind ja auch nicht schlecht. Mit einem Shuttlebus gelangen wir wieder zur Pastaparty nach Naturns, wo es heute leckere Lasagne, Rigatoni, Salat und Apfelstrudel gibt. Und wem das noch nicht genug war, der konnte sich noch an den leckeren Vinschgauer Brötchen sattessen.

Höhenprofil 3. Etappe Quelle: www.tourtransalp.de

4. Etappe, Naturns (I) - Livigno (I)


Quelle: Uwe Geissler / TOUR

Pässe:
Stilfserjoch (2.753 m)
Passo Foscagno (2.295 m)
Passo d‘Eira (2.203 m

Das Dach der Transalp - obwohl die heutige Etappe über den höchsten Pass der Transalp führt, das Stilfserjoch (2.753m) ist es nicht die Königsetappe - aufgrund der relativ kurzen Distanz (118 km). Der heutige Tag erfordert ein Höchstmaß an Kraftausdauer, denn auf dem Weg nach Livigno sind nach überqueren des Stilfserjoch noch der Passo Foscagno (2.295 m) und der Passo d‘Eira (2.203 m) zu fahren. Wir starten in Naturns bei 540m, es sind also bis zum Gipfel des Stelvio 2.200 Höhenmeter am Stück zu bewältigen. Es geht zunächst immer leicht ansteigend - den kleinen Hügel bei Kortsch nicht mitgerechnet - bis Prad. Bis hier war das Feld in großen Gruppen zusammen und das Tempo wieder sehr hoch. In Prad beruhigte sich das Feld, denn hier begann der eigentliche Anstieg zum Stilfserjoch. Für diese Tour war es heute ein Traumtag, strahlend blauer Himmel, aber sehr warm. Ungewöhnlich auch die 16°C am Gipfel. Aber für den Nachmittag waren in Livigno Gewitter vorhergesagt und so galt es, keine Zeit zu verlieren. Das erste Drittel bis zur Verpflegung in Trafoi wo wir zusammen ankamen lief noch ganz gut, aber danach fehlte mir etwas die Power und es ging nur noch mühsam vorwärts. Aber den anderen Fahrern ging es nicht besser, schließlich hatten wir schon drei harte TA-Tage in den Beinen. Gut 2:30 brauchte ich bis zum Gipfel, das ging beim Giro Delle Dolomiti schon mal besser. Michael ist kurz nach mir da und wir stürzen uns in die kurvenreiche 24 km lange Abfahrt mit 1440 m Höhendifferenz nach Bormio und weiter nach Valdidentro zur 2. Verpflegungsstelle. Vor den 5 unbeleuchteten und kurvigen Tunnels, die mit einer Notbeleuchtung ausgestattet wurden, wurde eindringlich gewarnt. Es ist alles gut gegangen, jetzt noch einmal richtig verpflegen, denn es liegen noch satte 1.120 Höhenmeter vor uns. Der Passo Foscagno (2.295 m) und der Passo d‘Eira (2.203 m), nicht unbedingt schwer zu fahren, aber die Beine sind doch schon sehr müde und so muss wieder das größte Ritzel herhalten. Nach 22 km harter Tretarbeit sind wir oben und können uns auf die 8 km lange Abfahrt ins Etappenziel in Livigno freuen. 6:45.31 bedeutet heute Platz 57. Roher Schinken, Käse, Käse, Weißbrot und Melonen stillen den ersten Hunger im Ziel.

Schon die kommende Etappe im Kopf erkundige ich mich am Servicestand von SRAM nach der kostenlosen Umrüstaktion mit dem WiFli-Kletterset. Michael fährt schon mal zum Duschen in unser 3 km entfernt liegendes Hotel Lanz. Nach 1 Stunde Wartezeit wird der Umbau an meinem Rad durchgeführt und ich kann jetzt auf einen Notnagel, ein 32er Ritzel zurückgreifen - wie sich noch herausstellen sollte eine geniale Entscheidung. Zwei Trinkflaschen und ein T-Shirt gibt es auch noch dazu. Zur Pastaparty fahren wir mit dem Bus, der Himmel ist inzwischen wolkenverhangen und es beginnt zu regnen. Bei der Pastaparty wird schon viel über die morgige Etappe diskutiert und dann bei der Streckenvorstellung verkündet Uli Stanciu dass wir nicht die geplante Mortirolo-Auffahrt nehmen, sondern die schwerste Variante, die Original Giro d‘Italia-Strecke. Das fährt den Teilnehmern jetzt schon mächtig in die Glieder und die Gesichter sehen ziemlich nachdenklich aus. Laufpassagen müssten viele wohl einkalkulieren, wenn das größte Ritzel nicht mehr als 25 Zähne hat. Na das kann ja heiter werden - ich bin dank SRAM ja jetzt gut ausgestattet.

Höhenprofil 4. Etappe Quelle: www.tourtransalp.de

5. Etappe, Livigno (I) - Ponte di Legno (I)


Pässe:
Passo d‘Eira (2.203 m)
Passo Foscagno (2.295 m)
Passo Mortirolo (1.852 m)

Der schwerste Berg - der erste Blick nach dem Aufstehen verheißt wieder Wetterbesserung. Der Regen hat aufgehört und es zeigen sich wieder kleine Wolkenlücken. Die Straßen sind jedoch noch nass. Vor der heutigen, mit 111 km kürzesten Etappe mit Passo d‘Eiro (2.203m), Passo Foscagno (2.295m) und Mortirolo (1.852 m) haben alle Respekt und schlotterige Beine. Es geht zunächst die beiden letzten Pässe des Vortages in umgekehrter Richtung hinauf was die eindeutig schönere Variante war. Nach 30 km Abfahrt verlassen wir die Route vom Vortag und biegen Richtung Cepina ab. Nach einigen kurzen Wellen geht es bis Grosotte (552m) weiter abwärts. In Mazzo bei km 72 verlassen wir die Hauptstraße und biegen in ein schmales Strässchen Richtung Passo Mortirolo. Es folgen die steilsten 12,6 km die ich je gefahren bin. Die Durchschnittssteigung beträgt auf den ersten 10,5 km 11 bis 12 Prozent gespickt mit zahlreichen steilen Rampen nahe der 20%. Die Auffahrt ist äußerst kräftezehrend und zwingt viele Teilnehmer ihr Rad zu schieben. Der Weg verläuft meistens im Wald, so dass es wenigstens etwas Schatten gibt. Wir schaffen es ohne abzusteigen bis zum Passübergang – Michael ist diesmal kurz vor mir da. Wir dokumentieren das Erreichen der Höhe auf 1.852 Meter natürlich mit einem Passfoto. Kurz danach ist auch schon die Verpflegungsstelle. Nach einer rauschenden Abfahrt nach Monno auf einer kaum befahrenen Straße geht es wieder mäßig aufwärts bis ins Ziel nach Ponte di Legno. Michael entdeckt in Temú direkt an der Straße unsere Hotel Sciatori, wir müssen also nach der Zielankunft wieder hierher zurückfahren. Aber als erstes gilt es die Kohlehydatspeicher zu füllen - heute mit Schinkenbrötchen und Obst und natürlich auch wieder Jentschuras „Brei“. Zum Abschluss noch einen Cafe am Sigma Cafemobil und dann ab unter die Dusche, die wieder 5 km entfernt ist. Ein Shuttle bringt uns wieder zur Pastaparty, die heute mit etwas Abwechslung aufwartet: Lasagne, Putenbraten, Rigatoni, Reissalat, Schinken, Käse, Ei und Apfelstrudel. Kaum zu glauben, das ging alles rein.

Höhenprofil 5. Etappe Quelle: www.tourtransalp.de

6. Etappe, Ponte di Legno (I) - Kaltern (I)


Quelle: Uwe Geissler / TOUR

Pässe:
Passo Tonale (1.880 m)
Brezer Joch (1.398 m)
Gampenpass (1.518 m)
Kalterer Höhe (667 m)

Die Königsetappe über 4 Pässe war 145 km lang und hatte 3.000 Hm - nach einer Ehrenrunde durch Ponte di Legno geht es direkt in den Anstieg zum Passo Tonale (1.880m) 10 km lang. Wir sind einen Startblock nach vorne gerückt - es wird eine sonniger Tag - am Tonale überholen uns viele Fahrer, die geben wieder mächtig Gas. Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen und genießen auch mal die Aussicht auf die Gletscher der Presanella. In der 40 km langen Abfahrt ins Valle di Sole, an Ossana, Dimaro und Malé vorbei bildet sich eine gute Gruppe, die läuft und das macht Spaß. Besonders im Flachstück mit Gegenwind gilt es dranzubleiben, nur keine Lücke reißen lassen. Die Verpflegungsstelle vor Rumo bietet eine kurze Verschnaufpause. Durch die Obstgärten von Livo und Rumo gelangt man nach Proveis wo das steile, ca. 6 km/500 Hm lange Brezer Joch (1.398m) mit 15% Max-Steigung beginnt, über das man nach Fondo im Nonstal gelangt. Von hier geht es immer moderat bergan zum Gampenpass (1.518m). Sicher sehr gut zu fahren, wenn man noch bei Kräften ist, aber ich knicke hier etwas ein. Es zieht sich endlos hin, bis endlich die Verpflegung auf der Passhöhe kommt. Das Gröbste ist jetzt geschafft und man kann sich erst mal auf eine schöne Abfahrt freuen - denkste, nach 2km hinter einer Kurve winkende Marshalls, abbremsen und dann Stau. Die Straße ist zu - eine Teilnehmerin war schwer verunglückt, ein Rettungshubschrauber musste sich ins Krankenhaus abtransportieren. Nach 20 Minuten geht es neutralisiert den Berg hinunter bis Naraun. Dann wieder ein Sturz. Diesmal ist es der mit 73 Jahren älteste Teilnehmer, der rasant abgefahren war. Zum Glück trägt er nur leichte Verletzungen davon. Über Prissian, Nals und Adrian geht es bis in die Südtiroler Obstplantagen. Der letzte Anstieg zur Kalterer Höhe (667m) über Missian und St. Pauls ist noch einmal schwierig zu fahren, sehr verwinkelt führt der Kurs durch die Weinberge und immer wieder kurze, giftige Rampen. Durch eine Unterführung wird die Weinstraße gequert und auf Radwegen dann die letzten Kilometer zurückgelegt. Kurz vor dem Ziel in Kaltern vor der Weinkellerei zwingt jedoch noch ein kurzer Anstieg in den Wiegetritt - aufmunternde Zurufe „nur noch eine Kurve“ - dann ist es geschafft, die Zieleinfahrt. 6:43.31 mit der unfallbedingten Zwangspause in der Gampenpass-Abfahrt, insgesamt 390 - wir sind heute unter die 400 gerutscht.

Höhenprofil 6. Etappe Quelle: www.tourtransalp.de

7. Etappe, Kaltern (I) - Arco (I)


Pässe: Mendelpass (1363 m)
Andalo (1.025 m)
Passo del Ballino (775 m)

Das große Finale von Kaltern ins historische Arco 5km nördlich des Gardasees steht an. 117 km und 2.239 Hm stehen heute auf dem Speiseplan. Von Kaltern geht es wieder hinauf zur Kalterer Höhe und dann in den Mendelpass (1.363m), den Hausberg der Bozener, der eine beliebte Trainingsstrecke vieler Biker aus der näheren Umgebung ist. Die Steigung der 14 km langen Auffahrt ist mit 6-7% recht gleichmäßig und bietet immer wieder herrliche Blicke über den Kalterer See. Heute ist die Verpflegung schon sehr früh auf der Passhöhe eingerichtet und wir halten uns deshalb nicht sehr lange auf. Es geht jetzt lange abwärts ins Obstbaugebiet des Val di Non im Trentino vorbei an Cavareno, Sanzeno und Demulo. Über verschlungene Sträßchen führt die Strecke weiter auf eine Hochebene ins beliebte italienische Skigebiet von Andalo. 750 Hm sind bis hier noch einmal zu überwinden und die fallen am letzten Tag einer schweren Etappenfahrt nicht ganz leicht. Die Abfahrt führt uns ins verkehrsverstopfte Molveno und dann am gleichnamigen See entlang, wo sich wieder eine schöne Gruppe zusammenschließt, die ein gutes Tempo fährt. 20 km rollt es sehr gut bis wir Ponte Arche erreichen und der letzte Anstieg vor uns liegt - Passo del Ballino (775m).

Knapp 10 km zieht es sich hin, weiter oben weht dazu ein heftiger Wind entgegen. Die Beine wirken jetzt doch ziemlich kraftlos. Aber es sind die letzten Meter bis zum Grande Finale - es geht bis Arco nur noch abwärts - und wie, denn kurze Zeit später öffnet sich der Blick über Tenno und den Gardasee. 17 km purer Genuss und große Erleichterung es bis hier geschafft zu haben. Die Zeitnahme befindet sich etwas vor Arco. Wir rollen gemeinsam und gemütlich ins Ziel.Wir haben heute mit Platz 51 unsere beste Tagesplatzierung erreicht. Hier herrscht bereits eine ausgelassene Stimmung, die Teilnehmer haben allen Grund zu feiern. Sie haben in der zurückliegenden Woche eine außergewöhnliche Leistung vollbracht und mussten oft an ihre Grenzen gehen.

Ich habe dabei ganz neue Erfahrungen gemacht und man musste nicht nur einmal meinen inneren Schweinehund überwinden und auf die Zähne beißen. Aber es hat sich gelohnt, wir haben eine Woche mit phantastischen Eindrücken gehabt, keinen Leistungseinbruch erlebt und sind gesund und ohne Defekte in Arco angekommen. Ein großer Dank gilt dem 136-köpfigen Team der Schwalbe-TOUR-Transalp, dem Organisations-, Ärzte-, Verpflegungs-, Taschen-, Rescue-, Kontroll-, Besenwagenteam, dem Race Office, Marshalls, Scorta Technica und den einzelnen Etappenorten.

Höhenprofil 7. Etappe Quelle: www.tourtransalp.de

Etappenübersicht


    km  Hm  Fahrzeit  Etappenplatz
Grand Master
 
Gesamtplatz
Grand Master
 
Gesamtplatz
Overall
 
1. Etappe  Sonthofen (D) - Imst (A)  121  2.447  5:22.48,8  71  71  494 
2. Etappe  Imst (A) - Ischgl (A)  148  2.793  6:27.20,4  56  63  456 
3. Etappe  Ischgl (A) - Naturns (I)  159  2.662  6:31.14,5  61  64  452 
4. Etappe  Naturns (I) - Livigno (I)  118  3.572  6:45.31,9  57  59  423 
5. Etappe  Livigno (I) - Ponte di Legno (I)  111  2.748  5:22.58,7  54  55  404 
6. Etappe  Ponte die Legno (I) - Kaltern (I)  144  3.092  6:43.31,2  52  55  390 
7. Etappe  Kaltern (I) - Arco (I)  117  2.239  4:46.49,6  51  55  386 
               
  Gesamt      42:00.15,1